Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Eine letzte Bemerkung zu Herrn Edinger's Aufsatz "Hirnanatomie und Psychologie"
Person:
Storch, E.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit31440/2/
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E. Storch. 
eine Folge des Denkens, oder sie ist seine Ursache; beides auf 
einmal ist nicht möglich. 
Ich habe aus Herrn Edinger’s Arbeit nachgewiesen, dafs bei 
ihm diese Verquickung der zwei entgegengesetzten Anschauungen 
besteht. Herr E. macht mir den Vorwurf, dafs ich seine Arbeit 
nicht aufmerksam gelesen habe; das ist ein sehr harter Vorwurf, 
auch wenn er in höfliche Worte eingekleidet wird. 
Herr Edinger hat es mir aber nicht schwer gemacht diesen 
Vorwurf zurückzuweisen. S. 446 des 24. Bandes dieser Zeitschrift, 
der 2. Seite seiner Entgegnung schreibt er : „Herr v. Uexküll u. A. 
haben neuerdings behauptet, dafs es ganz aufser dem Bereiche 
wissenschaftlicher Arbeit liege, zu untersuchen, ob ein Thier bei 
Ausübung irgend einer Handlung Bewufstsein habe. So weit 
möchte ich nicht gehen, denn es erscheint keineswegs aussichts¬ 
los, an die Frage heranzutreten, ob, wenn einmal der Mechanis¬ 
mus genügend bekannt ist, sich nicht Leistungen zeigen, die 
über das hinausgehen, was die bekannte Maschine fertig bringen 
könnte.“ Diese sich zeigenden Leistungen können doch nur Be¬ 
wegungen sein, Bewegungen, die durch den Mechanismus nicht 
erklärt werden können, die also — das ist der Kernpunkt — 
ihre Ursache nicht in einer Bewegungsgröfse sondern in etwas 
anderem haben müssen, und zwar, wie Herr Edinger bemerkt, 
im Bewufstsein. Unmittelbar anschliefsend an obiges Citât ist 
nämlich zu lesen: „Ich habe, ganz ohne zu präjudiciren, ge¬ 
schlossen: Wir werden auch auf dem vorgeschlagenen Wege an 
einen Punkt kommen, wo die Annahme eines Bewufstseins noth- 
wendig wird“ u. s. w. Das ist es ja eben, zu diesem Punkte 
kann ja die Erforschung der Bewegungsgröfsen nicht führen und 
ich möchte Herrn E. bitten nochmals mein Citât aus Schopen¬ 
hauer vorzunehmen. 
Wer aber diese Grundlage aller Psychologie, die causale 
Unabhängigkeit zwischen Psyche und Materie nicht erkannt hat, 
ist nicht berufen, uns eine vergleichende Psychologie zu schenken. 
Herr E. hat auf dem Gebiete der Hirnanatomie so grofse und 
bleibende Errungenschaften zu verzeichnen, dafs es bedauerlich 
ist, ihm auf Irrwegen zu begegnen.
        

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