Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
G. F. Lipps: Grundriß der Psychophysik. Göschen'sche Sammlung. Leipzig, Göschen, 1899. 164 S
Person:
Mentz
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit31430/1/
Literaturbericht. 
G. F. Lipps. firasirtfs te Psjfhipfcyslk. GöscHEx'sche Sammlung. Leipiig». 
Göschen, 1899. 164 S. 
Die „Psychophysik“ hat ein eigentümliches, aber sehr verständliches 
Schicksal gehabt Ursprünglich bei Fechnkr mit diesem Namen gekenn¬ 
zeichnet, als zugleich mit dem ursprünglichen Fache ihres Vorkämpfers in 
Zusammenhang bleibend. Sodann hier bei G. F. Lipps in der Auflassung 
als Hülfe Wissenschaft oder Zwischenwissenschaft, speciell um als bequemer 
und sehr geeigneter Ansatz zu dienen, gewisse psychologische und er- 
kenntnifstheoretische Einsichten und gewisse Methoden in kürzester Weise 
vorzubereiten. Wenn man einerseits die gesammte innere Erfahrung als 
Ausgangspunkt nimmt, und andererseits das exact zu behandelnde Th&t- 
sachenmaterial als solches in seiner mehr unmittelbaren, sachgemlfeen, 
also auch theilweise physiologisch erscheinenden Behandlungsweise, so hat 
man damit ohne Weiteres den Ausgangspunkt für die eigentliche Psycho¬ 
logie. Die Auffassung einer Psychophysik, als speciellerer Stoflabgrenzung, 
als Zwischenwissenschaft zwischen Psychologie und Physik im weitesten 
Sinne des Wortes, wie bei Verf., oder als Hülfswissenscfaaft ist pädagogisch 
sehr brauchbar, einerseits zur Ergänzung, andererseits zur Schulung der 
Exactheit auf kürzestem Wege, schneidet jedoch die eigentlich psychologi¬ 
schen Fragen naturgemäfs überall mehr oder weniger vorzeitig ab, um 
nicht zu starke Verwickelungen zu ergeben. In dieser Weise, von 
specielleren Fragen dabei abgesehen, hat auch Verf. seine Aufgabe be¬ 
handelt. Begriffliche Präcision, gute erkenntnifstheoretische Begründung 
trotz der Abgrenzung des Stoffs oder eben wegen derselben, conséquentes 
Fortschreiten, grofse Uebersichtlichkeit, kurzer Uebergang zu psychologi¬ 
schen Fragen oder schon unmittelbare Einführung derselben zeichnen das 
Büchlein aus. Die Abstufungs- und Zählmethoden werden gemeinsam sehr 
übersichtlich vorbereitet. Die Zählmethoden selbst in der unzweifelhaft 
correcteren Auffassung und Fomralirung von G. E. Müllxb und Brots ge¬ 
boten. Eine knappe Einführung in die psychologischen Einzelgebiete 
schliefst sich an, auf 90 Seiten. Der Zusatz einer kurzen Aufklärung über 
Differentiale und Integrale, und je ein concretes Beispiel für die beiden 
Zählmethoden in schematischer Durchführung als Anmerkung oder Anhang 
zu S. 63 f. und S. 68 ff. dürften das Büchlein noch abgeschlossener gestalten.
        

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