Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Beiträge zur Lehre von den Lage- und Bewegungsempfindungen
Person:
Kramer, F. G. Moskiewicz
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit31427/24/
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F. Kramer und G. Moskiewicz. 
gleichem Impuls und in der gleichen Zeit kürzer als die erste 
ausfällt, so mufs auch diese Methode zu denselben Resultaten 
wie die frühere führen. 
Die Einstellung der Aufmerksamkeit ist also der wesentliche 
Factor bei der Vergleichung zweier Strecken, die nach einander 
zurückgelegt werden. Ganz analoge Verhältnisse finden wir bei 
der Schätzung kleiner Zeitgröfsen wie dies von Schumann 1 an¬ 
gegeben worden ist. Wird hier eine constante Zeit mit einer 
unmittelbar darauf folgenden variablen verglichen, so stellt sich 
die Aufmerksamkeit bald auf die Normalzeit so ein, dafs da» 
zweite Signal gerade dann, wenn es ertönt, und das dritte nach 
einem der Normalzeit gleichem Intervall erwartet wird. Tritt 
dieses früher ein, so sind wir überrascht und halten die Ver¬ 
gleichszeit für kürzer. Tritt es später ein, so haben wir ein Ge¬ 
fühl der Spannung und halten die Vergleichszeit für länger. 
Um Mifsverständnisse zu vermeiden, soll noch hervorgehoben 
werden, dafs der von uns zur Erklärung herangezogene Impuls 
etwas durchaus Verschiedenes von den Innervationsempfindungen 
ist» Während wir unter diesen Empfindungen zu verstehen 
haben, die uns über den jeweiligen Innervationszustand der 
motorischen Ganglienzellen benachrichtigen, verstehen wir unter 
dem Impuls nichts weiter als die sicherlich jeder Bewegung 
vorausgehende Vorstellung der zu ihr noth wendigen Energie. 
Zum Schlüsse sei noch eine Erscheinung erwähnt, die un» 
bei allen Versuchen begegnet ist und die auch Lqeb kurz an¬ 
führt, die auch wieder beweist, dafs eine, wenn auch noch so 
geringe Incongruenz der Bewegungsapparate die Vergleichung 
in einem ganz bestimmten Sinne beeinflufst. Wir haben oben 
immer gesagt, dafs, wenn beide Hände von entsprechenden 
Anfangspunkten aus und nach entsprechenden Richtungen sich 
bewegten, die Strecken annähernd gleich ausfielen (s. S. 121). 
Dies ist jedoch nicht ganz richtig. ThatsäcHich legten fast alle 
Versuchspersonen unter diesen Bedingungen mit der linken 
Hand gröfsere Strecken zurück als mit der rechten. Nur die 
linkshändigen Versuchspersonen machten davon eine Ausnahme, 
indem bei ihnen da» Umgekehrte der Fall war. 
1 F. Schumann. Feber Schätzung kleiner Zeitgröfsen. Zeitschrift für 
Psychologie I, 5.
        

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