Bauhaus-Universität Weimar

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Ewald Hering. 
Felder in eine solche Lage, dafs sie nicht mehr binokular ver¬ 
schmolzen werden können, sondern auf dem in der weifslich- 
violetten Mischfarbe erscheinenden Grunde in geringem gegen¬ 
seitigen Abstande nebeneinander gesehen werden, so ist ihre 
Farbe nicht, wie nach jener Theorie wohl erwartet werden 
könnte, grünlich-gelblich, sondern die beiden Felder erscheinen 
sehr auffallend verschieden gefärbt, nämlich das linke bläulich¬ 
grün,1 das rechte gelb, und zwar bei passender Wahl der Farben 
des Grundes und der Helligkeit der grauen Felder sogar gesät¬ 
tigter, als die Mischfarbe des Grundes : Beweis, dafs hier nicht die 
Farbe des Grundes, wie man sie eben sieht, das Bestimmende 
für die Art der Kontrastfarbe ist, sondern die Beschaffenheit 
jedes der beiden Lichter, von denen die beiden Augen erregt 
werden. Das linke Auge empfängt ein gelblich-rotes Licht, 
und das ihm angehörige Bild des kleinen farblosen Feldes er¬ 
scheint deshalb trotz der violetten Farbe des Grundes blaugrün, 
das andre Auge empfängt blaues Licht, und das ihm zugehörige 
Bild des grauen Feldes erscheint deshalb gelb, also ebenfalls 
nicht gelbgrün, wie es das Violett des Grundes nach der psy¬ 
chologischen Theorie erwarten liefs. Der Versuch hat, zweck- 
mäfsig angestellt, ein ganz sicheres und eindringliches Ergebnis, 
sofern nur irgend die binokulare Mischung des Rot und Blau 
zu Violett zu stände kommt, was nicht leicht ausbleiben kann, 
wenn hinreichend weifsliche Farben benutzt werden. Selbst¬ 
verständlich kann man statt des Rot und Blau beliebige andre 
Farbenpaare (auch komplementäre) wählen. 
Die folgende, in Fig. 1 schematisch dargestellte Anordnung 
des Versuches erwies sich mir schliefslich als die zweckmäfsigste, 
besonders für Anfänger: Eine rote (R) und eine blaue ÇB) Glas¬ 
tafel von möglichst grofser Reinheit und ebenen Oberflächen, 
deren jede um eine horizontale Achse drehbar ist, werden mittels 
eines Trägers in solcher Lage über einer Tischfläche gehalten, 
dafs sie gleich den beiden Flächen eines Daches nach oben 
konvergieren, ohne sich jedoch mit ihren oberen parallel he¬ 
genden Rändern zu berühren; vielmehr müssen die letzteren 
1 Angenommen nämlich, dafs die für das linke Auge gewählte Farbe 
vom Tone des spektralen Eot ist, welches nicht rein rot, sondern gelblich¬ 
rot ist. Die Herstellung rein roter Farben ist meist umständlich, während 
rote Papiere und Gläser vom Tone des spektralen Eot sehr gewöhn¬ 
lich sind.
        

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