Bauhaus-Universität Weimar

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Ewald Hering. 
Es besteht noch immer eine aus der Auffassungsweise der 
Laien in die Wissenschaft mit hinübergenommene Neigung, die 
Scheidung der Phänomene des Gresichtsinns in sogenannte ob¬ 
jektive und subjektive, nicht blofs — und zwar berechtigter¬ 
weise — in Bezug auf ihre Ursachen vorzunehmen, sondern 
auch unberechtigterweise in betreff des eigentlichen Wesens 
dieser Phänomene gelten zu lassen. Daraus entwickelt sich dann 
die weitere Neigung, zwar die durch äufseres Licht oder andere 
nachweisbar äufsere Beize herbeigeführten Phänomene auf phy¬ 
siologische Änderungen im Sehorgane zurückzuführen, für soge¬ 
nannte subjektive Phänomene aber zu psychologischen Erklä¬ 
rungen zu greifen, sobald eine physiologische Erklärung nicht 
nahe hegt. Dies hat um so leichter dazu geführt, der psycho¬ 
logischen Erklärung gewisser Kontrasterscheinungen den Weg 
zu bahnen, als man dieselben meist unter minder günstigen 
Umständen beobachtet hat, daher sie nicht jene Eindringlichkeit 
und sinnliche Frische hatten, welche ihnen unter günstigen 
Bedingungen zukommt. 
Wie sehr für viele die Mannigfaltigkeit der Bedingungen, 
von welchen bei den üblichen Methoden ihrer Erzeugung die 
meisten subjektiven Phänomene des Gresichtsinns abhängen, den 
Beiz zu eingehender methodischer Untersuchung derselben 
abstumpft, lehren uns keineswegs nur die Erscheinungen des 
Simultankontrastes, sondern auch die des Successivkontrastes 
und der damit zusammenhängenden Phänomene. So ist es z. B. 
bekannt, dafs ein schwaches Nachbild bei Bewegungen des offenen 
Auges leicht entweder vorübergehend oder auf die Dauer un¬ 
termerklich wird, und dafs selbst stärker entwickelte Nachbilder 
während der sprungweisen Bewegung des Blicks von Punkt zu 
Punkt zu verschwinden scheinen, um erst wiederzukommen, so 
oft der Blick anhält. Obwohl diese Thatsache mit den Be¬ 
wegungen des Auges an sich, sofern dieselben nicht etwa be¬ 
sonders gewaltsame oder excessive sind, gar nichts zu thun 
hat, konnte sie doch dazu führen, dafs ein ganzes grofses 
Thatsachengebiet, das für die Physiologie des G-esichtsinnes 
von grofser Bedeutung ist und wichtige Schlüsse auf die 
Vorgänge in der nervösen Substanz des Sehorganes zu ziehen 
gestattet, der weiteren Forschung gleichsam verschlossen wurde- 
Ich meine das unter gewissen Umständen ganz gesetzmäfsige, 
längere Zeit hindurch periodisch wiederkehrende Verschwinden
        

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