Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aus den Llanos: Schilderung einer naturwissenschaftlichen Reise nach Venezuela
Person:
Sachs, Carl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit31/68/
sur stehend, brachte Artikel, in denen der Rejenerador in eine 
Reihe mit Moses, Napoleon I. und Washington gestellt wurde; 
das Beste leistete jedoch ein Literat, der eine ganz ernsthafte Ver¬ 
gleichung zwischen Guzman und Jesus Christus anstellte und zu 
dem Resultate kam, Christus sei zwar der grösste Wohlthäter der 
Menschheit gewesen, aber unmittelbar hinter ihn an Werth und 
Bedeutung sei Guzman Blanco zu stellen. Ist es möglich, abge¬ 
schmackter und schamloser zu sein? 
Wie bereits erwähnt, liess sich Guzman während seiner Prä¬ 
sidentschaft zwei Statuen von Bronze in der Hauptstadt, ausser 
ihnen noch andere in verschiedenen Städten errichten. In einem 
Lande, wo derjenige Theil der Staatseinnahmen, welcher wirklich 
im Interesse des Staates verwendet wird, auch nicht zu den noth- 
wendigsten Dingen ausreicht, zwei kostspielige Standbilder eines 
und desselben noch lebenden Mannes in einer Stadt! — Dass man, 
wenn nicht vor der Entrüstung des eigenen Volkes, so doch vor 
dem Spott des Auslandes, nicht im Geringsten bangte, als man 
diesen Unsinn beging, zeugt von einer beneidenswerthen Kalt¬ 
blütigkeit. Dachte man, dass, wie vom Erhabenen zum Lächer¬ 
lichen, so auch vom Lächerlichen zum Erhabenen nur ein Schritt sei? 
Das Bestreben Guzman’s, den Glorienschein eines pater pa¬ 
triae um sein Haupt zu sammeln, war selbst für seine eigenen 
Freunde ein so befremdendes, dass man es nicht aus dem alleinigen 
Beweggründe persönlicher Eitelkeit erklären zu können glaubte. 
Zur Zeit, als ich in Caracas weilte, war in weiten Kreisen die An¬ 
sicht verbreitet, der am 20. Februar des Jahres 1877 bevorstehende 
Ablauf der vierjährigen Präsidentschaftsperiode Guzman’s werde 
irgend eine merkwürdige Ueberraschung bringen. Man glaubte 
entschieden, Guzman beabsichtige irgend eine der vielen Varie¬ 
täten des Begriffes coup d’état in Scene zu setzen, um sich für 
längere Zeit oder sogar für Lebenszeit den Fortbesitz der Herr¬ 
schaft zu sichern; ja man traute ihm sogar den Gedanken an die 
Errichtung einer Monarchie zu. Nichts von allem dem ist späterhin 
ein getreten, sei es nun, dass Guzman wirklich keine Pläne dieser 
Art hegte, oder dass er seine Partei im Lande nicht für stark genug 
hielt, um das Aeusserste wagen zu können. Ein solches Ereigniss 
würde übrigens, wie ich selbst von persönlichen Feinden des Re- 
jenerador’s eingestehen hörte, durchaus im Interesse der materiellen
        

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