Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aus den Llanos: Schilderung einer naturwissenschaftlichen Reise nach Venezuela
Person:
Sachs, Carl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit31/336/
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geringen Strömung dazu eignete, durch eine ausgeworfene Sonde 
zu messen und bestimmte sie zu 105 Fuss. Trotz dieser beträcht¬ 
lichen Tiefe, welche sicherlich noch nicht den maximalen Betrag 
repräsentirt, fanden sich auch versandete Stellen im Strombett, an 
denen der Patron mit grosser Vorsicht das Fahrwasser zu wählen 
hatte. Während der trockenen Zeit wird durch diese Untiefen die 
Schifffahrt auf dem Strome für Seeschiffe, wenigstens oberhalb 
von Ciudad Bolivar, unmöglich g*emacht. Dagegen möchte ich mit 
Bestimmtheit behaupten, dass in der Zeit vom 15. Juli bis Ende 
September der grösste oceanische Dampfer ungehindert bis zu 
den Katarakten von Atures, wie auch nach San Fernando am Rio 
Apure, zu gelangen vermöchte. Freilich würde bei einer solchen 
Fahrt die Benutzung stromeskundiger Lootsen unumgänglich sein, 
während dieselben auf der Strecke von der Mündung bis Ciudad 
Bolivar im Allgemeinen entbehrlich sind. 
Unsere Vorräthe an Lebensmitteln gingen, in Folge der 
grossen Zahl von Consumenten, bald auf die Neige, zumal da 
weder Jagd noch Fischfang bei der Schnelligkeit unserer Fahrt 
mit Erfolg zu betreiben war. Während des Aufenthaltes an der 
Mündung des Apure hatten die Matrosen auf einer nahen Playa 
eine Anzahl von Schildkröten gefangen, welche zum Zweck des Eier¬ 
legens ans Land gekrochen waren. Diese, meist vier Fuss langen 
Thiere, welche der Species Cinosternon scorpioïdes L. angehörten, 
fielen nun dem hungrigen Magen der Reisenden zum Opfer. Man 
schlachtet sie auf grausame Weise, indem man mit der Axt das 
Bauchschild vom Rückenschilde trennt und den Körper des 
zuckenden Thieres herausschält. Das Fleisch ist von braunrother 
Farbe, ähnlich wie Rindfleisch; nur am Rücken liegen starke, 
längs verlaufende Muskeln von weisser Farbe und grosser Weich¬ 
heit. Auf die Dauer wollte diese Kost Niemand behagen, und 
man war daher froh als es am nächsten Tage in dem kleinen 
Oertchen Mapire, das aus 30—40 Häusern besteht, gelang, einige 
Lebensmittel, namentlich Cassavebrod und Papeionzucker, zu 
kaufen. 
Etwa 20 Meilen oberhalb von Ciudad Bolivar bildet der Ori¬ 
noco jene, schon von Humboldt erwähnten Stromschnellen, welche 
unter den Namen el Infierno (die Hölle) und el Torno bekannt sind. 
Der Strom verengt sich und verändert plötzlich seine Richtung
        

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