Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aus den Llanos: Schilderung einer naturwissenschaftlichen Reise nach Venezuela
Person:
Sachs, Carl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit31/281/
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aus Grashalmen gewobene Xester, die wie an einem Seile aufge¬ 
hängt waren. Ein sehr kleiner, unscheinbar gefärbter Vogel, 
den ich leider nicht zum Schuss bekam und daher nicht bestim¬ 
men konnte, bewohnte diese, mehr als einen Fuss im Durchmesser 
haltenden Xester. 
Von Zeit zu Zeit wurde der Wald durch weite savannenartige 
Lichtungen unterbrochen, und mit Bewunderung betrachtete ich 
die riesenhaften Gräser, mit welchen hier der Boden bedeckt war. 
Reitend und hoch im Sattel aufgerichtet wurden wir dennoch 
überragt durch die Spitzen dieser Gräser, die über unseren Köpfen 
zusammenschlugen. Trotz dieser Höhe waren die Halme weich 
und zur Viehweide tauglich, wie uns unsere Thiere bewiesen, 
welche beständig Büschel davon abrupften. 
In einiger Entfernung vom Flusse hört, wie ich mich bei 
einem späteren Ausflug überzeugte, der Wald völlig auf, und die 
Landschaft nimmt wieder den Charakter der Llanos, d. h. eines 
fast ununterbrochenen Grasmeeres an. In diesem südlichen Theile 
der Steppen, der sich von den Gestaden des Apure bis weit jen¬ 
seits des Meta erstreckt, überwiegen die hoch emporwachsenden 
Grasarten; Humboldt's Aeusserung: ,.Das hochaufschiessende 
Gras birgt den schöngefleckten Jaguar“, ist auf diese Gegenden 
zu beziehen. In den nördlich vom Apure und Portuguesa gelege¬ 
nen Llanos finden sich Gräser von ausgezeichneter Futterkraft, 
welche aber nur in seltenen Fällen eine solche Höhe erreichen, 
dass sich ein Jaguar darin verstecken könnte. Die Zahl der dort 
vorkcmmenden Grasarten ist eine enorme und sie dürfte botani¬ 
schen Entdeckungen sicher noch eine ergiebige Ausbeute liefern. 
Als die häufigsten Arten sind Paje banco, Gamelotillo, Carretera, 
Lambedora, sodann eine wegen ihrer Xeigung dichte Flechtwerke 
zu bilden Chinchorro genannte Art zu erwähnen; eine einzige Art 
der nördlichen Llanos, Cametillo genannt, soll gelegentlich Mannes¬ 
höhe erreichen. Mitunter werden weite Strecken von einer ein¬ 
zigen Art überzogen, an anderen Stellen finden sich auf kleinem 
Raume verschiedene Arten gemischt. 
Xach it/2 Stunde erreichten wir einen grossen Rancho, der 
von einer intelligenten und fleissigen Familie von Farbigen be¬ 
wohnt war. Fine ausgedehnte Zuckerrohrpflanzung umgab die 
Ansiedlung und eine kleine Zuckermühle (Trapiche) diente zur Be-
        

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