Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aus den Llanos: Schilderung einer naturwissenschaftlichen Reise nach Venezuela
Person:
Sachs, Carl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit31/278/
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zu dieser Kenntniss durch eine Reihe furchtbarer Vergiftungs- 
fälle, die sich dadurch ereigneten, dass auf der Wanderung be¬ 
griffene Lianeros sich zum Braten ihres Fleisches der abgeschnitte¬ 
nen Stecken des Guachamacä-Baumes bedienten. Alle Personen, 
welche von dem so zubereiteten Fleisch assen, starben nach kurzer 
Frist. 
Es ist nicht das einzige Mal, dass auf diese Weise die Giftig¬ 
keit einer Pflanze sich verrieth; vom Oleander1), der zu der näm¬ 
lichen Pflanzenfamilie wie der Guachamacä, nämlich zu den Apo- 
cynaceen, gehört, wird dasselbe erzählt. Im Jahre 1809 assen 
zwölf französische Soldaten vor Madrid Fleisch, welches an Olean¬ 
derzweigen als Spiess gebraten worden war. Sieben starben, fünf 
erkrankten schwer.2) 
Ein Verbrechen, das sich in den Vierziger Jahren zu Nutrias am 
Apure ereignete, und das sowohl bei Paez3) als bei Grosourdy4) 
' erwähnt wird, ist noch jetzt in Aller Munde. 
Eine Frau, welche von ihrem Manne argwohnte, dass derselbe 
in einem Liebesverhältniss mit einer Nachbarin stehe, beschloss, 
sich an dem ungetreuen Gatten auf eine unverdächtige Weise zu 
I rächen. Sie bereitete den Masato, ein durch Kochen und Gähren 
von Mais gewonnenes Getränk, indem sie Stücke der Guachamacä- 
Pflanze mit abkochte, und setzte die giftige Mischung dem Manne 
vor. Aus Freude über dieses sein Lieblingsgetränk lud derselbe 
eine ganze Anzahl von Nachbarn zur Theilnahme ein, und obwohl 
die Verbrecherin dadurch, dass sie für dieselben eine eigene 
Bowle bereitete, zu hindern suchte, dass mehrere Personen von 
ï dem Gifte betroffen würden, so wurde dies doch im letzten Augen¬ 
blick vereitelt, da der Mann aus Höflichkeit seine Calabasse mit 
derjenigen der Uebrigen vermischte. Alle Anwesenden, mit Aus¬ 
nahme der Giftmischerin, fielen dem Gifte zum Opfer; auch die 
Hausthiere, welche von den übriggebliebenen Resten genossen, 
blieben nicht verschont. 
Gegenwärtig, da die giftige Wirkung dieser Pflanze bekannt 
-1) Nerium Oleander. 
2) Lindley, The vegetable kingdom. 3th Ed. London 1853. P. 600. 
3) An der oben citirten Stelle. 
4) El médico botanico criollo, par D. Renato de Grosourdy. Paris F. 
Bracket 1864.
        

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