Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aus den Llanos: Schilderung einer naturwissenschaftlichen Reise nach Venezuela
Person:
Sachs, Carl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit31/269/
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In der trockenen Jahreszeit dagegen, wenn die grossen sandigen 
Uferbänke und inselförmigen Playas aus dem Wasser hervortre¬ 
ten, kriechen sie, namentlich in den heissen Nachmittagsstunden, 
massenhaft auf den trockenen Sand und strecken sich aus, um sich 
zu sonnen und zu schlafen. Ein solcher Tag war es, an dem ich 
den Portuguesa abwärts fuhr; ich erstaunte über die kolossale 
Menge dieser Thiere, welche auf den sandigen Uferbänken in 
Gruppen von io—20 ausgestreckt lagen, den fürchterlichen Rachen 
weit geöffnet. Die Caymans des Portuguesa, Apure und Orinoco 
sind echte Krokodile *) mit einem Ausschnitt im Oberkiefer für den 
vierten Unterkieferzahn und mit vollständiger Schwimmhaut der 
Hinterfüsse; ihre Farbe ist ein schmutziges Gelb. Hierdurch, wie 
durch ihre äusserst spitze Schnautze können sie schon von Weitem 
von den Alligatoren unterschieden werden. Die höchste Länge, 
welche das Thier nach Aussage der Eingeborenen erreicht, be¬ 
trägt 24 Fuss. Die Zähne sind spitz hakenförmig und haben völlig 
die Beschaffenheit des Elfenbeins, weshalb sie im Lande zur Ver¬ 
fertigung von allerhand Drechslerarbeiten benutzt werden, welche 
denen aus Elfenbein gleichen. 
Beim Annähern unseres Bootes krochen die Thiere meist 
schwerfällig dem Wasser zu, nur einzelne blieben unbeweglich 
liegen. Furcht vor dem Boote und seinen Insassen empfanden 
die Ungeheuer nicht im Allergeringsten; denn alle Augenblicke 
tauchte einer dieser 15—20 Fuss langten Gesellen dicht neben uns 
auf, schwamm eine Zeit lang neben dem Boote her, die grünlichen 
Augen unheilblickend auf uns gerichtet, und verschwand dann 
wieder. Revolverkugeln, mit denen ich sie bedachte, prallten 
machtlos von dem harten Panzer ab. Häufig sah man auch klei¬ 
nere Exemplare und selbst solche von wenigen- Zollen Läng-e, 
welche erst vor Kurzem aus dem Ei geschlüpft sein konnten. 
Ausser den Krokodilen waren es ungeheure Schwärme von 
Vögeln, welche die Playas des Flusses belebten. Am zahlreichsten 
war eine Entenart vertreten, welche nach dem Klange ihres Ge¬ 
schreis Pato Guiriri* 2) genannt wird; durch die aus mehreren Hun¬ 
derten bestehenden Schwärme derselben, welche beim Annähern 
T) Crocodilus acutus. 
2) Dendrocygna viduata Eyton.
        

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