Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aus den Llanos: Schilderung einer naturwissenschaftlichen Reise nach Venezuela
Person:
Sachs, Carl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit31/268/
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liehe Wohnsitze gekettet zu sehen. Die Eingeborenen im Innern 
des Landes besitzen eine wirklich überraschende Fertigkeit in der 
Zähmung von Vögeln und anderen Thieren, die sie als Gesell¬ 
schafter in der traurigen Monotonie ihres Daseins heben. Nament¬ 
lich der weibliche Theil der Bevölkerung ist von der grössten 
Zärtlichkeit für seine Zöglinge erfüllt und pflegt sie nicht selten 
mit Aufopferung der eigenen Nahrung. Oft muss man über den 
Geschmack, der dabei entfaltet wird, lachen; so traf ich in einer 
Hütte am Apure zwei grosse Titiriji-Eulen, die mit den Hühnern 
in grösster Eintracht lebten; ein anderes Mal traf ich im Besitz 
eines jungen Mädchens zu Calabozo einen grossen Ameisenbär, 
der seiner Herrin wie ein Hund folgte u. dergl. m. Biber, Otter, 
A.rmadille, Capybara’s, Rehe, daneben alle existirenden Arten von 
Vögeln trifft man im gezähmten Zustande; die einzigen Thiere, 
von welchen man behauptet dass sie, ausser im ganz jungen Zu¬ 
stande, nicht zu zähmen seien, sind el tigre und el cayman. 
Gegen Mittag endlich erschienen meine Leute, und eiligst 
wurde vom Lande abg'estossen. Der am hinteren Ende des Fahr¬ 
zeuges stehende Patron, ein Mann von fast weisser Hautfarbe, 
steuerte mittels eines schaufelförmigen Ruders, während der 
Andere, ein Indianer vom Stamme der am unteren Apure wohnen¬ 
den Arichuna’s, der in Camaguan sich niedergelassen hatte, mit¬ 
tels einer langen Stange, Palanca genannt, die er gegen den Grund 
stemmte, den Bongo fortbewegte. Der Fluss war breit, aber an 
vielen Stellen sehr seicht; noch im Angesicht des Ortes geriethen 
wir auf eine Sandbank. Sofort sprang der Indianer heraus und 
schob, auf dem sandig'en Grunde stehend, das Boot vor sich her, 
bis es wieder in tiefes "Wasser kam; dies wiederholte sich noch 
äusserst oft am nämlichen Tage. Die Gefahr, in welcher der 
Mann dabei jedesmal schwebte, kann nicht gering genannt wer¬ 
den, denn der Rio de la Portuguesa ist wegen der grossen Zahl 
und besonderen Wildheit der ihn bewohnenden Krokodile weithin 
berüchtigt. 
Die Zahl, in der man diese Thiere bei einer hlussreise erblickt, 
ist sehr verschieden nach der Jahreszeit; bei hohem Wasserstande 
sieht man nur dann und wann die Thiere auf der Oberfläche des 
Wassers schwimmend, nie aber ausserhalb des Wassers; denn die 
überflutheten Ufer gewähren ihnen keine bequemen Ruheplätze. 
Sachs, Aus den Llanos. *7
        

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