Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aus den Llanos: Schilderung einer naturwissenschaftlichen Reise nach Venezuela
Person:
Sachs, Carl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit31/242/
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lieh, welche ich im Monat December untersucht hatte, besassen 
Eierstöcke von durchaus unreifer, reducirter Beschaffenheit. Die 
bei diesem Fange erhaltenen Thiere dagegen wiesen beträchtlich 
vergrösserte Eierstöcke auf, deren Inhalt, bestehend in zahlrei¬ 
chen Eiern von i—2 Millimeter Grösse, zum Theil durch Druck 
auf das Abdomen aus dem Sexualporus hervorgetrieben werden 
konnte, was bekanntlich bei Fischen ein wesentliches Critérium 
der Eireife ist. Ich glaubte damals mit einiger Sicherheit an¬ 
nehmen zu können, dass das Laichgeschäft der Gymnoten in den 
Anfang der Regenzeit falle, wo unter dem wiederbeginnenden 
Strömen der Gewässer die ganze Natur sich zu verjüngen scheint. 
Spätere Erfahrungen in Ciudad Bolivar haben mich hierin wieder 
unsicher gemacht. 
Ich erwähne diese Angelegenheit nur deshalb, weil die 
Möglichkeit der Lösung eines höchst bedeutsamen Problèmes 
damit aufs Engste verknüpft ist. Als ich mich, wesentlich eines 
einzigen Thieres halber, zu einer so weiten und kostspieligen 
Reise entschloss, war es meine Absicht, alle Fragen, deren Be¬ 
antwortung der gegenwärtige Standpunkt der Wissenschaft ge¬ 
stattet, in Angriff zu nehmen. Die interessanteste aller dieser 
kragen ist nun ohne Zweifel diejenige, welche sich auf die Ent¬ 
wickelung des elektrischen Organes bezieht. Es wäre von gröss¬ 
tem Werthe gewesen, feststellen zu können, welche verschiedenen 
Stufen der Entwickelung das elektrische Organ von seiner ersten 
spurweisen Entstehung im Embryo des Thieres an durchläuft. 
Unzweifelhaft entsteht dieses merkwürdige Organ nicht sofort in 
derjenigen Gestalt und Structur, welche es beim fertig entwickel¬ 
ten Fisch besitzt; es durchläuft Vorstufen, auf denen es, wie 
Mancherlei vermuthen lässt, vielleicht in seinem Aufbau mit 
einem anderen Gewebe des Körpers übereinstimmt, von dem es 
sich dann in der weiteren Metamorphose immer mehr entfernt. 
Der Nachweis eines solchen Verhaltens würde zugleich ein 
bedeutsames Material abgeben für die Beantwortung der Frage, 
wie man sich die Phylogenie der elektrischen Organe, d. h. ihre 
Entstehung in der Stammesgeschichte der Thierreihe überhaupt, 
zu denken habe. 
Die Erledigung dieser Aufgabe beruht auf der Möglichkeit, 
mikroskopische Untersuchungen an den elektrischen Organen der
        

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