Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aus den Llanos: Schilderung einer naturwissenschaftlichen Reise nach Venezuela
Person:
Sachs, Carl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit31/240/
22Q 
Zustande nach Europa nicht zu den Unmöglichkeiten gehört, war 
durch frühere gelungene Versuche bewiesen. In London hat ein 
solcher Fisch eine ganze Reihe von Jahren gelebt und zahlreichen 
Physikern, namentlich Faraday, zu Experimenten gedient. Ich 
konnte also mit einigem Vertrauen an dieses Unternehmen heran- 
gehen, das freilich eine Quelle sehr bedeutender Verdriesslich- 
keiten für mich werden sollte, namentlich in Folge der grossen 
Entfernung, welche mich von der Seeküste trennte. 
Da mein Gymnoten-Vorrath, welcher von dem letzten, mit 
Hilfe des Generals Rodriguez ausgeführten Fange herrührte, bei 
den Untersuchungen verbraucht worden war, sah ich mich ge- 
nöthigt, noch eine letzte Expedition nach dem Oritucu zu machen, 
um mich der zu transportirenden Thiere zu bemächtigen. Dies¬ 
mal war ich ganz auf mich selbst angewiesen, denn mein Helfers¬ 
helfer Guancho weilte auf den fernen Inseln des Apure in Gesell¬ 
schaft der Indianer von Arechuna. Aber es Avar glücklicherweise 
die Zeit, welche zum Fang dieser Thiere die günstigsten Chancen 
bietet; jener Mann, den ich auf der letzten Expedition noch unter¬ 
wegs zur Betheiligung veranlasst hatte, Juan Ramos, theilte mir 
mit, dass der Cano de Santa Catalina sich getheilt habe, und dass 
ein Charco desselben von Tembladoren wimmele. Ich brach da¬ 
her am nächsten Tage mit den nöthigen Mannschaften und Ge- 
räthen dorthin auf. 
Schon vorher hatte ich durch den deutschen Tischler Yssele, 
dessen ich früher erwähnte, eine hölzerne Iviste von 4x/2 Fuss 
Länge, 2T/2 Fuss Breite und i1/2 Fuss Höhe anfertigen lassen, welche 
mittels eines durchlöcherten Deckels wohl verschliessbar und an 
den vier Ecken mit Handhaben zum Tragen versehen Avar. Diese 
Kiste liess ich durch vier Leute nach dem Cano transportiren, um 
ihre ZAATeckmässigkeit gleich an Ort und Stelle zu erproben. Der 
Charco, um den es sich handelte, musste in der That äusserst 
reich an den Thieren sein; denn alle Augenblicke ATernahm man 
das eigenthümlich gluckende Geräusch, welches der Fisch her¬ 
vorbringt, Avenn er den Kopf über die Wasserfläche erhebt, um 
Luft zu schlucken. Wir wendeten unsere Chinchorro’s und Ta- 
raya’s in der früher beschriebenen Weise an, und es gelang ohne 
alle Schwierigkeit, eine Anzahl von Thieren aufs Trockene zu 
schaffen, freilich nicht, ohne dass die fischenden Leute empfind-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.