Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aus den Llanos: Schilderung einer naturwissenschaftlichen Reise nach Venezuela
Person:
Sachs, Carl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit31/24/
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nicht genug Schreckliches zu erzählen; dass das leicht gebaute 
Häuschen vom Sturme nicht den Berg herabgeworfen wurde, ist 
fast ein Wunder zu nennen. Es muss in der That keine ange¬ 
nehme Situation gewesen sein, auf diesem exponirten Punkte dem 
Orkan zu trotzen. 
Nachdem wir ein halbes Stündchen angenehm verplaudert 
hatten, bestiegen wir mittels einer Leiter die Plattform des Hauses 
und genossen einer unvergleichlichen Fernsicht. Der gesammte 
Umkreis der Insel lag frei vor unsern Blicken; der Höhenzug, auf 
dessen Kamm wir standen, senkt sich nach allen Richtungen steil 
zur Küste herab, indem er vielfach vorspringende Kanten und 
Zacken bildet, gegen welche die Brandung des Meeres wüthet; 
freundlich contrastirte das lebhafte Grün der Bergabhänge mit dem 
tiefblauen Spiegel des Antillenmeeres; fern im Westen erkannten 
wir die Insel Puerto rico; im Süden Santa Cruz, dicht unter uns 
lag das an den Berg* g'elehnte hübsche Städtchen und das runde 
Hafenbassin mit den qualmenden Schornsteinen der Dampfer. 
Schwer nur rissen wir uns los von dem reizenden Bilde, nah¬ 
men Abschied von unsern freundlichen Wirthinnen und bestiegen 
unsere Pferde. In der Stadt angelangt, hatten wir noch einen 
schweren Strauss mit dem Pferdeverleiher und den Schwarzen zu 
bestehen, welche sämmtlich das Doppelte und Dreifache der ihnen 
zustehenden Belohnungen verlangten. Nachdem wir dies glücklich 
ausgefochten, begaben wir uns sofort an Bord, da die Abreise der 
Dampfer auf den Abend dieses Tages, des 18. Oktober, festgesetzt 
war. Ich verlies die „Vandalia“, welche ihre Reise nach der Land¬ 
enge von Panama fortsetzte, und bestieg den kleinen Dampfer 
„Vulcan“, der gegen Mitternacht den Anker lichtete. 
Der Vulcan“ erwies sich als ein hässliches und unbequemes 
Schiff, und ich war froh, dass mein Reiseziel der nächste Hafen 
war, den man anzulaufen hatte. Aber die zwei Tage der Fahrt 
von St. Thomas nach La Guayra verliefen noch beschwerlich genug. 
Fast sämmtliche Passagiere bekamen noch einen Rückfall der See¬ 
krankheit, die man gänzlich überwunden glaubte. Das Schlingern 
der Schiffe hat einen sehr verschiedenen Typus je nach der Grösse 
derselben; beim Uebergang von einem grossen Dampfer auf einen 
kleinen ist man meist fast in demselben Masse der Seekrankheit 
ausgesetzt, als ob man nie zu Schiff gewesen wäre.
        

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