Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aus den Llanos: Schilderung einer naturwissenschaftlichen Reise nach Venezuela
Person:
Sachs, Carl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit31/225/
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ren Zeiten nicht getheilt habe. Ist dies richtig, so würde es da¬ 
rauf hinweisen, dass die mit der Cultivirung langsam fortschrei¬ 
tende Entwaldung des in den Küsten-Anden gelegenen Ouellen- 
gebietes bereits ihre Wirkungen geäussert habe; diese Wirkung 
könnte nur darin bestehen, dass die enorme Ungleichheit im 
Wasserreichthum der Flüsse während der beiden Jahreszeiten, 
der oft verheerende Ueberfluss während der Regenzeit und der 
peinliche Mangel während der trockenen Monate, noch vermehrt 
wird. 
Nicht auf den ganzen Lauf der Flüsse erstreckt sich die Bil¬ 
dung von Charco’s undPlaya’s; sie findet nur im mittleren Theile 
Statt. Im oberen Theile ist der Wasserverlust noch nicht so er¬ 
heblich, dass das Niveau unter den Grund sinken könnte; in der 
Nähe der Mündung in den Apure oder Portuguesa aber sind die 
Flüsse meist ziemlich tief und gleichmässig mit Wasser erfüllt, 
was vielleicht auf der Nachbarschaft jener grösseren Ströme 
beruht. 
Es war bereits dunkel, als wir das Haus unseres Wirthes in 
der Stadt erreichten. Eiligst nahm man die Abendmahlzeit zu 
sich; denn die Höflichkeit verlangte, dass man den Beginn der 
Theatervorstellung, welche den anwesenden Gästen zu Ehren 
stattfand, nicht versäumte. Ich hatte schon im Laufe des Tages 
ein Schreiben von der Comfiania, die natürlich nur aus Dilettan¬ 
ten bestand, erhalten, worin man mich in den pomphaftesten Aus¬ 
drücken die Aufführung des Abends als persönliche Dedication 
anzunehmen ersuchte. Ich durfte daher nicht verfehlen, mich 
ebenfalls nach dem Theater zu begeben, das in dem Hofe eines 
Privathauses seinen Sitz aufgeschlagen hatte. 
Eine kleine Bühne mit Vorhang und Coulissen war ganz ge¬ 
schickt hergerichtet, die Zuschauer, welche sich in grosser Zahl 
eingefunden hatten, nahmen auf Stühlen Platz, welche ein Jeder 
selbst mitbrachte oder vorher hingeschickt hatte. Eine Musik¬ 
bande, welche lustige Tanzweisen aufspielte, fehlte ebenso wenig 
als ein Buffet, an dem Erfrischungen aller Art, vorzugsweise Rum 
oder Brandy, feilgeboten wurden. Während bei Theaterauf¬ 
führungen in Calabozo, die ich früher gesehen hatte, die weib¬ 
lichen Rollen durch Knaben dargestellt worden waren, wirkten hier 
eine Anzahl von Senoritas mit, deren schauspielerische Leistungen
        

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