Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aus den Llanos: Schilderung einer naturwissenschaftlichen Reise nach Venezuela
Person:
Sachs, Carl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit31/17/
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Am Morgen des i. Oktobers verliess unser Schiff den Hafen. 
Den ganzen Abend und die Nacht vorher hatte es, bei ausnehmend 
niedrigem Barometerstände, aufs Fürchterlichste geregnet und ge¬ 
stürmt, so dass man sich auf eine sehr hohe See gefasst machte, 
eine Erwartung, die auch im vollsten Masse zutraf. 1 
Unter den in Havre an Bord gekommenen Passagieren befand 
sich Herr Valentiner, Consul des Deutschen Reiches in Caräcas und 
Chef des Handelshauses Blohm, Valentiner und Comp, daselbst. 
Dieses Haus, vor mehreren Decennien von dem Hamburger Kauf¬ 
mann Blohm gegründet, mit Filialen in allen namhaften Städten 
Venezuela's verbunden, repräsentirt die bedeutendste Handelsfirma 
dieses Landes und trägt nicht wenig zu der Achtung bei, deren 
der deutsche Name daselbst geniesst. Ich habe auf meiner Reise 
bei den einzelnen Chefs dieses Hauses stets die gastfreundlichste 
Aufnahme und die liebenswürdigste Förderung meinerZwecke ge¬ 
funden; ihnen allen, namentlich Herrn Valentiner, der seitdem aus i 
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Caracas nach Europa übergesiedelt ist, sowie Herrn Prahl in Ciu¬ 
dad Bolivar (Augostura) bin ich zu grösstem Dank verpflichtet. 
Herrn Consul Valentiner war ich bereits in Hamburg vorge¬ 
stellt worden, weshalb ich ihn in Havre als Bekannten begrüsste. f 
Dass es für mich von hohem Werth war, einen solchen Reisege¬ 
fährten für die lange Seefahrt zu finden, dass ich aus der Unter- 4 
haltung mit ihm manche werthvolle Belehrung über die Zustände 
des Landes, in dem ich zu reisen gedachte, schöpfte, bedarf kaum 1 
der Erwähnung. 
Wenige Stunden dauerte es, dann war die letzte Spur der eu¬ 
ropäischen Küste dem rückschauenden Blick entschwunden. Die 
Aufregung des vom Sturm gepeitschten Meeres steigerte sich, je 
mehr wir auf die offene See hinauskam en. Der Anblick des Oceans 
in diesem Zustande hat etwas furchtbar Grossartiges; der Sturm 
auf hohem Meere ist, meiner Erfahrung nach, eines der wenigen 
Schauspiele, welche, wirklich gesehen, das nach zahlreichen Schil¬ 
derungen entworfene Fantasiebild an Gewaltigkeit weit übertref- 
fen. Die Empfindungen, welche entstehen wenn man eben erst von 
schwindelnder Höhe herab das entfesselte Element ringsumher 
überblickt hat und nun, im nächsten Augenblick, aus der Tiefe 
nach dem schaumbedeckten Gipfel einer sich langsam zu riesen¬ 
hafter Grösse aufthürmenden mauerartig'en Woge emporschaut, 
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