Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Arthur Allin: Recognition. Americ. Journ. of Psychol. Bd. VII. S. 249-273. 1896
Person:
Offner, M.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit30964/1/
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Litter aturbericht. 
1. Die Wahrnehmung ist kein Erinnerungsakt; das lehrt die vor¬ 
urteilslose Beobachtung der einfachsten Thatsachen. 
2. Wahrnehmung ist darum auch keine Vergleichung, weil ja hei 
der einfachen Wahrnehmung kein zweites Bild hinzutritt. 
8. Auch liegt hei ihr in keinem Fall psychische Chemie vor, weil 
diese selbst gar nicht besteht. 
4. Wahrnehmung ist ferner keine Wiederbelebung früherer Eindrücke, 
ein Einwand, dessen prinzipielle Verschiedenheiten von 1. Referent nicht 
recht finden kann. 
5. Die Ausdehnung des Begriffes Wiedererkennen auf die Wahr¬ 
nehmung ist unberechtigt. 
6. Die Ursache der sog. Bekanntheitsqualität ist von Höffding 
falsch erklärt, wobei Verfasser allerdings auch Höffding falsch zu ver¬ 
stehen scheint. 
7. Die Theorie versagt bei der Erklärung von Sinnestäuschungen 
und anderen abnormen Erscheinungen. M. Offner (München). 
Arthur Allin. Recognition. Americ. Journ. of Psychol. Bd. VIL S. 249—273. 
1896. 
Verfasser geht aus von dem in der Litteratur vielfach berührten 
überraschenden Phänomen der sog. Erinnerungsfälschung, Paramnesie, 
welche darin besteht, dafs man beim erstmaligen Wahrnehmen eines 
Gegenstandes, eines Vorganges irriger Weise glaubt, ihn schon früher 
einmal wahrgenommen zu haben. Thatsächlich unbekannte Dinge er¬ 
scheinen als bekannte. Wenn übrigens Verfasser meint, Höffding habe 
diese illusorische Bekanntheit im Auge, wenn er das unmittelbare Wieder¬ 
erkennen auf das Vorhandensein einer Bekanntheitsqualität zurückführt, 
so ist er sehr im Irrtum. Höffding denkt hier an eine Bekanntheitsqualität, 
welche ein thatsächliches, kein eingebildetes früheres Kennenlernen des 
Objektes andeutet, aber eben nur andeutet, nicht zu klarem Bewufst- 
sein zu bringen vermag. Obwohl ich Höffdings Erklärung dieses 
Phänomenes in meiner Untersuchung über „Die Grundformen der Vor¬ 
stellungsverbindung“, Philos. Monatsh. XXVIII, 1892, angriff und auch 
heute noch nicht anerkennen kann, so mufs ich ihn doch gegen Mifs- 
verständnisse in Schutz nehmen. 
Für solche Bekanntheitsillusion sucht Verfasser in manchen Fällen, 
ohne allerdings tiefer auf die Sache einzugehen, den Ursprung in Er¬ 
müdungszuständen, welche unerwartete assoziative Verbindungen zur 
Reproduktion zu bringen vermögen, wie im Halbtraum und ähnlichen 
Zuständen. Bezüglich der Träume und des Phantasierens wirft Ver¬ 
fasser ein, dafs hier kein Erinnerungsphänomen vorliegt. Als ob je ein 
Mensch im Ernste behauptet hätte, Träume seien Erinnerungen in subjek¬ 
tivem Sinne d. h. Bilder, Erlebnisse, oder wie wir es nennen wollen, bei 
denen der Träumende oder der Phantasierende sich bewufst ist, dafs er 
sie schon einmal, und zwar genau in gleicher Weise, erfahren habe! 
Andererseits wird er selbst nicht leugnen wollen, dafs die Traumbilder 
u. dergl. wenigstens in ihren Teilen sich doch aus der Wiederkehr 
früherer Erlebnisse bezw. Teilerlebnisse zusammensetzen. Nihil est in
        

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