Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
G. Aschaffenburg: Experimentelle Studien über Assoziationen. Psychol. Arbeiten, herausgeg. von E. Kraepelin. Bd. 1. H. 2 u. 3. S. 209-299. 1895
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Litter aturbericht. 
ganzen Beihe yon Vorstellungszentren, die auf transkortikalen Wegen 
mit den verschiedenen Sprachzentren verbunden seien, zu immer ver- 
wickelteren Schematen geführt worden, ohne doch die Komplexität der 
Wirklichkeit zu umfassen. 
Zum Schlufs entwickelt Verfasser seinen Standpunkt kurz dahin, 
dafs er mit Wündt hei aller distinkten Wahrnehmung einen zentrifugalen 
neben dem zentripetalen Nervenprozefs annimmt. Derselbe geht aus von 
Vorstellungszentren, in denen B. aber nur Zentren der Gruppierung von 
Einzelempfindungen sieht, Organe virtueller Wahrnehmung, die unter 
dem Einflüsse der Zwecke der Erinnerung stehen, ebenso wie es Organe 
der reellen Wahrnehmung giebt, die unter dem Einflüsse der Wirkung 
der Objekte stehen. Der charakteristische Prozefs des Wiedererkennens 
ist nicht der zentripetale, sondern der zentrifugale. 
A. Pilzecker (Göttingen). 
G. Aschaffenburg. Experimentelle Studien über Assoziationen. Psychol. 
Arbeiten, herausgeg. von E. Kraepelin. Bd. 1. H. 2 u. 3. S. 209—299. 1895- 
A. hat Untersuchungen über die assoziative Thätigkeit in normalem 
Zustande und in der Erschöpfung angestellt. Die Erschöpfung, für 
welche übrigens eine scharfe Definition nicht gegeben wird, wurde durch 
durchwachte und durcharbeitete Nächte erzeugt. Vom Mittag an wurde 
Thee, Alkohol und Nikotin vermieden, während des Tages die gewöhn¬ 
liche Berufsarbeit verrichtet; von 8 Uhr abends an — eine Stunde nach 
dem Nachtmahl — wurde mit kurzen, in einzelnen Versuchsnächten nur 
minutenlangen Pausen durchgearbeitet bis zur gleichen Stunde des 
anderen Morgens. Die Versuchspersonen experimentierten gegenseitig 
aneinander. Aufser Wasser wurde keine Nahrung genommen. Im Laufe 
einer Versuchsnacht wurde die assoziative Thätigkeit viermal unter¬ 
sucht. Folgende Methoden kamen zur Anwendung: 
1. Der Versuchsperson wurde ein Wort zugerufen, und sie mufste 
mit möglichster Geschwindigkeit eine bestimmte Zeit lang nieder¬ 
schreiben, was ihr einfiel. 
2. Die Versuchsperson hatte jedesmal auf drei zugerufene Beiz- 
worte nur das erste auftauchende Beaktionswort auszusprechen oder 
hinzuschreiben. 
Die zweite Methode wurde oft mit Zeitmessung verbunden, und 
zwar in der von Kraepelin angegebenen Weise. Aufser einsilbigen kamen 
auch zweisilbige Worte zur Verwendung. Den Fehler, welcher bei 
letzteren bekanntlich durch Verzögerung des Beginnes der assoziativen 
Verwertung entsteht, hat A. auf 72 g (m V d~ 34 o) berechnet. 
Die Assoziationen klassifiziert A. in folgender Weise: 
I. Unmittelbare Assoziationen. 
A. Beizwort dem Sinne nach richtig aufgefafst. 
a) Innere Assoziationen. 
1. Assoziationen nach Koordination und Subordination. 
2. Assoziationen nach prädikativer Beziehung. 
3. Kausalabhängige Assoziationen.
        

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