Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Simerka: Sur le degré de fréquence des paralysies laryngées chez les hémiplégiques. Revue neurolog. IV. No. 11. S. 324-326. 1896
Person:
Fraenkel
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit30904/2/
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Litter aturbericht. 
behaupten, jedes der Zentren wirke auf das Stimmband der gegenüber¬ 
liegenden Seite, die anderen (Krause, Semon und Horsley, Broeckart) 
sagen, jede Hemisphäre wirke gleichzeitig auf beide Stimmbänder, so 
dafs die Beizung eines Zentrums die Zusammenziehung beider Stimm¬ 
bänder und die Exstirpation eines Zentrums, vermittelst der Kom¬ 
pensation durch das andere, keine Störung der Larynxbewegung zur 
Folge habe. — Daran reiht sich die Frage, warum die Larynx- 
lähmung vom Gehirn aus so selten vorkommt, während die 
Kranken mit Hemiplegie und motorischer Aphasie die Krankenhäuser 
überfüllen. Sollte man doch meinen, dafs, da die Larynxzentren dem 
BaocAschen an Gröfse nichts nachgeben, überdies von denselben Arterien 
versorgt werden und aufserdem auf beiden Seiten vorhanden sind — 
die Läsion derselben doppelt so häufig wie die des gesprochenen Wortes 
und wenigstens ebenso häufig wie die gewöhnliche Hemiplegie der Ex¬ 
tremitäten Vorkommen müsse. Semon und Horsley erklären sich die 
Sache so. Zufolge der beidseitigen Innervation ist eine einseitige Läh¬ 
mung der Stimmbänder nicht möglich und eine beiderseitige nur dann, 
wenn auf jeder der beiden Hemisphären symmetrische Läsion sich vor¬ 
finde. Dagegen sprechen zwei Fälle (von Garel und Dejerine), in denen 
die Autopsie bei Larynxlähmung nur eine Läsion ergab. 
Daraufhin erklärt Bauge mit Masini, die kortikalen Kehlkopfs¬ 
lähmungen seien gar nicht so selten, man fände sie nur nicht heraus. 
Um klar darüber zu werden, wählte P. Marie aus seinem Material 
von Hemiplegischen eine Zahl solcher aus, bei denen man eine Larynx- 
störung vermuten konnte, und stellte sie dem Verf. zur Verfügung. 
Derselbe untersuchte 23 Männer, von denen elf rechtsseitig, elf links¬ 
seitig und einer auf beiden Seiten gelähmt war. Unter den 23 Fällen be¬ 
fanden sich 8 mal Kontrakturen, 15 mal Dysarthrien verschiedenen Grades, 
5 mal Schlingbeschwerden, 8 mal Deviation der Lippen oder der Zunge, 
5 mal Lähmungen des Gaumensegels, 13 mal geringer oder fehlender 
Pharynxreflex. 
Die Zeitdauer des Leidens betrug 1 bis 18 Jahre. 
Bei 19 dieser Kranken fand Verf. keine Bewegungs¬ 
störung der Stimmbänder, nur bei vier entfernte sich das rechte 
Stimmband beim Atmen (Inspiration) wenig von der Mittellinie, während 
das linke Stimmband sich normal verhielt, so dafs die Stimmritze nach 
links abwich, beim Intonieren bewegt es sich nach der Mittellinie hin 
und etwas darüber hinaus (et empiétait un peu sur l’autre côté), so dass 
die Abweichung nach links blieb. 
Drei dieser Kranken litten an rechtsseitiger Hemiplegie, einer an links¬ 
seitiger, bei allen vier waren Kontrakturen und Dysarthrie zugegen. Die 
Erscheinungen konnten von Parese der Abduktion oder von zu grofser 
Erregbarkeit der Adduktoren herrühren und auf cerebraler, bulbärer 
oder peripherischer Läsion beruhen, bei dem Kranken mit linksseitiger 
Lähmung wahrscheinlich auf bulbärer, weil bei ihm aufser der Sprach- 
und Schlingstörung und dem verminderten Pharynxreflex eine rechts¬ 
seitige Facialislähmung bestand. Um ein sicheres Urteil zu gewinnen, 
mufs man die Autopsie abwarten.
        

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