Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Hermann Gutzmann: Heilungsversuche bei zentromotorischer und zentrosensorischer Aphasie. Arch. f. Psychiatr. Bd. XXVIII. Heft 2. S. 354 bis 378. 1896
Person:
Heller, Theodor
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit30903/1/
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Litteraturbericht. 
erstrebt wird. Dieses „dynamische Gleichgewicht“ mufs nun durch 
starke äufsere Erschütterungen, wie sie namentlich das stampfende 
Schiff den Reisenden mitteilt, erhebliche Störungen erleiden. Insbesondere 
wird das Nervensystem in Anspruch genommen, da es nicht nur wie die 
anderen Organe direkt leidet, sondern ihm durch Vermittelung der sen¬ 
siblen Bahnen auch noch abnorme Sensationen von den letzteren zu- 
fliefsen. Verfasser betrachtet die einzelnen Symptome der Seekrankheit 
im wesentlichen als koordiniert, direkt durch die Gewebsreizung der 
betreffenden Organe bedingt. Aufser der Seekrankheit giebt es noch 
andere Formen von Kinetosen, d. h. von krankhaften Reaktionen des 
Körpers auf gewisse passive Bewegungen. Zu diesen gehören das Rück¬ 
wärtsfahren, Schaukeln, Bewegungen im Kreise, Fahren im Elevator, 
kurz solche Bewegungsformen, welche von den uns gewohnten mehr 
oder weniger abweichen Schaefer (Rostock). 
Maack. Schreibstörungen, verursacht durch isolierte zentrale Alexie. 
Centralbl. f. NervenheilMe. u. Psychiatr. VII. Bd. S. 1—11. 1896. 
Interessante Beobachtung einer nach apoplektischem Insult zurück¬ 
gebliebenen isolierten Buchstabenblindheit, die zur Folge hatte, dafs der 
betreffende Patient, während er sowohl spontan und nach Diktat, als 
auch die Namen gesehener Objekte richtig schreiben konnte, beim Ab¬ 
schreiben nur dann richtig schrieb, wenn er, ohne die Vorlage zu lesen, 
die Buchstabenzeichen abmalte; las er die Vorlage, so schrieb er falsch, 
entsprechend dem auf die Hirnläsion bedingten Falschlesen, mit anderen 
Worten: schrieb er das, was er sah? so schrieb er richtig, nnd schrieb 
er, was er las, so schrieb er unrichtig. Peretti (Grafenberg). 
Hermann Gutzmann. Heilungsversuche bei zentromotorischer und zentro- 
sensorischer Aphasie. Arch f. Psychiatr. Bd. XXVIII. Heft 2. S. 354 
bis 378. 1896. 
Verfasser hielt bereits vor zwei Jahren im Verein für innere Medizin 
in Berlin einen Vortrag über die Heilung zentromotorischer und zentro- 
sensorischer Aphasie. Mittlerweile hatte derselbe Gelegenheit, seine 
Methoden weiter auszubilden und deren praktische Verwendbarkeit an 
neuen Fällen zu erproben. Von Wichtigkeit ist der Umstand, dafs es 
sich stets um durch längere Zeit unverändert bestandene Aphasien handelt, 
eine spontane Heilung also in allen Fällen ausgeschlossen erscheint. 
Die zur Behebung der zentromotorischen Aphasie angewandte 
Methode bezweckt „die Hervorrufung und Einübung eines neuen mo¬ 
torischen Sprachzentrums.“ Die Laute werden zuerst einzeln durch 
Nachahmung der charakteristischen Artikulationsstellungen, dann in Ver¬ 
bindungen geübt. Ein Spiegel leistet bei diesen Sprechübungen wichtige 
Dienste. Im Anfang ist in der Regel das Gedächtnis für die Laute ein 
schlechtes; „mit der gröfseren Geschicklichkeit wächst auch das Ge¬ 
dächtnis für die vorgeschriebenen Bewegungen.“ Neben den Sprech¬ 
übungen werden auch linkshändige Schreibübungen vorgenommen Es 
zeigt sich hierbei ein deutliches Parallelgehen der Besserung in Sprache 
und Schrift. Hervorzuheben ist der Umstand, dafs die Patienten wohl
        

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