Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
1. Gustav Vorbrodt: Psychologie des Glaubens. Zugleich ein Appell an die Verächter des Christentums unter den wissenschaftlich interessierten Gebildeten. Göttingen, Vandenhoek & Ruprecht. 1895. 258 S. / 2. James H. Leuba: A Study in the Psychology of Religious Phenomena. Amer. Journ. of Psychol. VII. 3. 309-385. 1896
Person:
Runze, Geo.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit30895/1/
Litteraturbericht. 
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Richtungen des zuständlichen Wollens in seiner dreifachen Abstufung als 
„sinnliche, intellektuelle und intelligible Welt“ ergeben. Innerlich ist diese 
Auffassung allerdings völlig widerspruchsfrei, doch erklärt sich hiermit 
noch keineswegs der eigentümliche Charakter von Lust, Unlust, Zorn 
u. s. w., da diese eben einfach als nicht weiter erklärte Modifikationen 
des zuständlichen Wollens in der Erfassung des „Denkens“ (Cogito) er¬ 
scheinen, auch nicht die Anlässe für Lust, Unlust, Zorn u. s. w., da diese 
eben von vorneherein als Richtungen des zuständlichen Wollens in der 
Erfassung des Cogito erscheinen. So liefert denn dieses erkenntnis¬ 
theoretisch so durchgearbeitete Gerüst gerade in Bezug auf Wesen und 
Vorhandensein der Gefühle nichts Zureichendes. Auch bleibt nicht klar, 
wann und wie Denken ohne Gefühle und zuständliches Wollen ohne 
Denken oder Gefühle existieren können. P. Mentz (Leipzig). 
1. Gustav Vorbrodt. Psychologie des Glaubens. Zugleich ein Appell an 
die Verächter des Christentums unter den wissenschaftlich inter¬ 
essierten Gebildeten. Göttingen, Vandenhoek & Ruprecht. 1895. 258 S. 
2. James H. Leuba. A Study in the Psychology of Religious Phenomena. 
Amer. Journ. of Psychol. VII. 3. 309—385. 1896. 
Der Verfasser der zuerst genannten Arbeit will mit seinem Buche 
eine Anregung geben zu einer eingehenderen Beschäftigung der Theo¬ 
logen mit der Psychologie und will zugleich den philosophisch gebildeten 
Nichttheologen die Objekte der positiven Religionswissenschaft dadurch 
anziehender und schmackhafter machen, dafs er ihre hervorragende 
Verwertbarkeit im Dienste der psychologischen Forschung darzuthun 
sucht. Der Zweck ist löblich, wenn auch sein Entwurf keineswegs neu. 
Wenn irgend ein Gebiet des Seelenlebens zugleich problematisch und 
reizvoll, zugleich rätselhaft und allgemeinfafslich ist, so ist es das Gebiet 
der Frömmigkeit oder des Glaubens im subjektiv-religiösen Sinne. Und 
wenn es auch ungleich wertvoller wäre, der Verfasser hätte seine Auf¬ 
gabe eingeschränkt, um innerhalb irgend eines Ausschnittes aus dem 
weiten Umkreis seines Gegenstandes durch gründliche Spezialunter¬ 
suchungen das induktiv zu gewinnende und für die Gesamtwissenschaft 
dann unmittelbar verwertbare Material zu bereichern, andererseits aber, 
er hätte die Prinzipien und die Methode seiner Wissenschaft in schlichter 
und bündiger Sprache und mit mehr philosophischer Ino/rj überzeugend 
entwickelt, anstatt mit geistreichen Aperçus, vielversprechenden Zukunfts¬ 
perspektiven, pastoraler Rhetorik gleichgestimmte Gemüter „anzuregen“, 
— so wollen wir doch mit ihm darüber nicht rechten. Die Gewohnheit 
erbaulicher Rede, deren berufsmäfsige Pflege dem wissenschaftlichen 
Denktriebe selten förderlich ist, hat zwar auch im vorliegenden Buche 
ihren Einflufs geltend gemacht, doch ohne die wissenschaftliche Tendenz 
als solche zu gefährden; und dafür mufs man dankbar sein; mag auch 
infolge eines enzyklopädischen Vollständigkeitsstrebens die Darstellung 
mehr in die Breite als in die Tiefe gehen. Aber die Frage, ob der Ver¬ 
fasser seinen Zweck wenigstens im allgemeinen erreicht haben wird, 
kann ich leider nicht bejahen. Höchstens per contrarium: das Buch 
zeigt, wie wir Theologen es nicht zu machen haben, wenn wir Anspruch 
Zeitschrift für Psychologie XIII. 10
        

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