Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Karl Marbe: Theorie des Talbotschen Gesetzes. (Habilit.-Schrift, Würzburg.) Phil. Stud. XII. 2. S. 279-296. 1896
Person:
Witasek
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit30863/1/
116 
Litteraturbericht. 
deutliches Bild über die Arbeitsweise, die Genauigkeit der Methode 
u. s. w. machen könnten. Es ist dies eine Publikationsweise experimenteller 
Arbeiten, die mit Recht weder in der Psychologie noch überhaupt in 
einer Experimentalwissenschaft Billigung findet, und die unverständlich 
ist, wenn es sich um so schwierige Beobachtungen (Vergleichung ver¬ 
schiedener Helligkeiten auf gleiche Sättigung!) handelt. Macht die ganze 
Sache deshalb von vorne herein einen durchaus unsoliden Eindruck, so 
klingen die wesentlichen Ergebnisse selbst im höchsten Grade unwahr¬ 
scheinlich, um nicht zu sagen unmöglich. Man nehme an, man habe 
eine rotierende Scheibe, die aus 180 Grad Rot und 180 Grad eines mitt¬ 
leren Grau besteht. Man kann dann, ohne dafs die Empfindung ver¬ 
ändert würde, das Grau ersetzen durch einen weifsen und einen schwarzen 
Sektor, wofern nur diese beiden zusammen eben soviel Licht reflektieren 
als der Graue, den sie vertreten. Je nach der Intensität nun, die man 
dem Weifs giebt, schwankt die Gröfse des weifsen Sektors. Mit diesen 
Schwankungen ändert sich dem TALBOTschen Gesetz zufolge die Sättigung 
durchaus nicht, wohl aber unserm Verfasser zufolge. Solomons Ergebnisse 
stehen also mit dem TALBOTschen Gesetz im Widerspruch. Die eigen¬ 
tümliche Rolle, die bei ihm die Schwärze spielt, ist aber auch mit an¬ 
deren, wohlbegründeten Anschauungen unvereinbar. Alle Physiker 
nehmen an, dafs die Wirkung eines Lichtstrahls lediglich durch Wellen¬ 
länge und Amplitude bestimmt ist. Anders Solomons. Nach ihm hat 
das durch eine Fläche reflektierte Licht von einer bestimmten Intensität 
eine ganz verschiedene Wirkung, je nach dem Verhältnis, in dem seine 
Stärke durch das einfallende Licht und den Absorptionskoeffizienten der 
Fläche bestimmt ist. Ich für meinen Teil halte mich lieber an das von 
vielen Forschern nachgeprüfte TALBOTsche Gesetz und an die herkömm¬ 
lichen Anschauungen der Physik als an die ohne jedes Material mit¬ 
geteilten Ausführungen des Verfassers. Und alles in allem glaube 
ich, dafs durch d er art ige Arbeiten die psychologis che Litté¬ 
ral ur nur belastet, unsere Erkenntnis aber nicht gefördert 
wird. — Der Befund, dafs es gelegentlich unmöglich sei, verschieden 
beleuchtete, gleichartige Sektoren enthaltende Scheiben durch geeignete 
Einfügung schwarzer Sektoren gleichzumachen, scheint mir in den That- 
sachen des Kontrastes seine selbstverständliche Erklärung zu finden. 
Kahl Marbe (Würzburg'. 
Karl Marbe. Theorie des TALBOTschen Gesetzes. (Habilit.-Schrift, 
Würzburg.) Phil. Stud. XII. 2. S. 279—296. 1896. 
Der Verfasser versucht, von korrekten physiologisch-psychologischen 
Grundanschauungen aus eine vollständige Theorie des TALBOTschen Ge¬ 
setzes zu gewinnen. Er hat demnach nicht nur zu erklären, warum 
überhaupt bei einer gewissen Successionsgeschwindigkeit verschiedener 
Lichtreize statt mehrerer successiver Empfindungen diejenige Empfindung 
entsteht, welche sich ergäbe, wenn das während einer jeden Periode 
wirkende Licht auf die Dauer der ganzen Periode gleichmäfsig verteilt 
wäre, sondern auch die Wirksamkeit der die Verschmelzung in günstigem 
Sinne beeinflussenden Momente begreiflich zu machen. Solcher Momente
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.