Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Franz Ziehl: Über einen Fall von Worttaubheit und das Lichtheimsche Krankheitsbild der subkortikalen sensorischen Aphasie. Dtsche. Zeitschr. f. Nervenheilkde. Bd. VIII. Heft 3 u. 4. S. 259-307. 1896
Person:
Heller, Theodor
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit30852/1/
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Litteraturbericht. 
Augustus 0. Waller. On the Influence of Reagents on the Electrical 
Excitability of Isolated Nerve. Brain. Bd. 73. S. 43—67. Spring 
Number. 1896. 
Der Verfasser versucht in vorliegender Arbeit den Nachweis zu 
führen, dafs nicht nur die zentralen und peripherischen Endapparate 
eines Nerven der Beeinflussung durch physikalische und chemische 
Agentien zugänglich sind, sondern dafs auch der isolierte Nervenstamm 
durch verschiedenartige Eingriffe in seiner Erregbarkeit beeinflufst wird. 
Um dies zu erweisen, prüft Verfasser die G-röfse der negativen Schwankung, 
welche der Aktionsstrom des Nerven unter verschiedenen Einflüssen 
erleidet. Der normale, gegen Verdunstung geschützte Nerv zeigt stunden¬ 
lang auf jeden Beiz hin eine gleich grofse negative Schwankung. Setzt 
man aber den Nerven entweder einer veränderten Temperatur oder dem 
Einflufs eines Gases aus, so beobachtet man, dafs die regelmäfsige Beihe 
der negativen Schwankungen alsbald Störungen zu zeigen beginnt. Eine 
Steigerung der Temperatur über 20° z. B. vermindert die Gröfse der 
Schwankungen, eine Temperatur von 35—40° hebt die Erregbarkeit des 
Nerven völlig auf, es tritt auf Beiz keine negative Schwankung mehr 
ein. Dabei ist aber der Nerv keineswegs völlig abgetötet, denn ein 
erneutes Sinken der Temperatur auf 10° bewirkt, dafs der Nerv wieder 
reaktionsfähig wird. 
Sehr interessant ist der Einflufs mancher Gase auf die Erregbarkeit 
des Nerven: während Kohlenoxyd, Stickoxyd, Sauerstoff etc. völlig in¬ 
differente Gase sind, bewirkt Kohlensäure je nach ihrer Konzentration 
eine Steigerung oder eine Verminderung der Erregbarkeit. Dem Stadium 
der verminderten Erregbarkeit pflegt eine zweite Periode der gesteigerten 
Beizbarkeit zu folgen. Der Kohlensäure analog verhalten sich Alkohol, 
Äther und Tabakrauch. Chloroform dagegen erweist sich, ebenso wie 
Ammoniak, Cyanwasserstoffsäure etc., rein toxisch: die Erregbarkeit des 
Nerven sinkt unter dem Einflufs dieser Gase mehr und mehr, und nur 
reichliche Zufuhr frischer Luft vermag den Nerven wieder reaktions¬ 
fähig und erregbar zu machen. W. Cohnstein (Berlin). 
Franz Ziehe. Über einen Fall von Worttaubheit und das LiCHTHEiMsche 
Krankheitsbild der subkortikalen sensorischen Aphasie. Bische. 
Zeitschr. f. Nervenheilkde. Bd. VIII. Heft 3 u. 4. S. 259—307. 1896. 
Verfasser beschreibt einen äufserst seltenen Pall von reiner und 
unkomplizierter Worttaubheit, welche unvermittelt auftrat und sich bis 
zu dem infolge von Harnverhaltung unter urämischen Erscheinungen 
erfolgten Tode völlig gleich blieb. Die Deutung des Krankheitsbildes 
nach den Angaben von Lichtheim und Wernicke ist nicht ohne weiteres 
möglich. Namentlich fordert der Gegensatz der beim Patienten vor¬ 
handenen Paraphasie zu der geringeren Paragraphie eine von Wernicke 
abweichende Erklärung, wodurch die Schriftsprache gegenüber der Laut¬ 
sprache eine gröfsere Selbständigkeit erhält. Die vom Verfasser gegebene 
ausführliche Begründung mufs in der Abhandlung selbst nachgelesen 
werden. 
Im vorliegenden Falle, welcher im wesentlichen mit dem von Licht-
        

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