Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
P. J. Moebius: Ueber das Pathologische bei Goethe. Leipzig, J. A. Barth, 1898. 208 S.
Person:
Pelman
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit30776/1/
Literaturbericht 
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hier von Charcot sagt» dato er nicht nur Gutes, sondern das Gute auch in 
einer schönen Form gegeben, kann man in gleicherweise auf Moebius an wenden. 
Ueberall in seinen verschiedenen Aufsäteen tritt uns der Naturforscher 
entgegen, gleich frei von Vorurtheilen wie von schüchterner Befangenheit, 
aus seinen Untersuchungen die Consequenzen zu ziehen. — Die Aufsätze 
wirf» daher ihren dauernden Werth behalten. Pelman. 
F, Raymond et Pierre Janet. livroses et Idées txes. Travaux du laboratoire 
de Psychologie de la Clinique à te Salpêtrière, Paris, F. Alcan. 2 Bde. 
1898. 
Im ersten Bande beschränkt sich Janet darauf, von einigen wenigen 
Krankheitsfällen eine ausführliche psychologische Analyse zu geben unter 
Benutzung aller Methoden und Apparate, die das psychologische Labora¬ 
torium der Neuzeit benutzen mufs. Fixe Ideen setzen immer eine gewisse 
geistige Schwäche voraus, namentlich wird di© active synthetische Func¬ 
tion der Seele gar nicht, oder zu langsam in Thätigkeit gesetzt, die neuen 
Gefühle und Bilder werden nicht gehörig appercipirt, mit dem bisherigen 
geistigen Capital verschmolzen, automatische Vorgänge gewinnen die Ober¬ 
land. Fast immer handelt es sich um ererbten oder angeborenen Schwach¬ 
sinn, — seltener um einen erworbenen, etwa nach Typhus. 
Im zweiten Band handelt es sich um über 150 Kranke aus der Poli¬ 
klinik der Salpêtrière. Wae hier Raymond für psychologisch interessant 
fand, schickt er in das psychologische Laboratorium zu Janet zu kurzer 
Untersuchung. Während im ersten Band jeder Fall lange und gründlich 
beobachtet wird, sieht im zweiten Band Janet jeden Fall nur kurz, 1—2 
Mal. Trotzdem bietet die Sammlung so ziemlich Alles aus dem Gebiete 
der Nervenkrankheiten, auf psychischem und somatischem Gebiete, und 
zeigt so recht die Bedeutung psychologischer Studien für die Erklärung 
und oft auch die Behandlung nervöser Krankheiten. Aufser dem Mediciner 
findet auch der Psychologe sehr viel Interessantes und Anregendes. 
Umppenbach. 
P. J. Moebius. Ueber i« Pathologische hoi Goethe. Leipzig, J. A. Barth, 1898. 
208 S. 
Ein neues Buch von Moebius bedeutet einen neuen. Genufs, gleichviel 
ob er sein Werk dem engeren Gebiete der Fachwissenschaft entnimmt, 
oder sich auf den breiteren Bahnen der Kunst bewegt. Auf beiden Pfaden 
ist er ein, zuverlässiger Führer, dem man sich, getrost anvertrauen darf, 
und ich kann nichts Besseres thun, als mich dem Kritiker des „Literarischen 
Centralblattes“ anzuschliefsen, der das Buch für di© inhaltreichste Frucht 
der Goetheforschung der jüngsten Jahre erklärt. Goethe habe seine Kennte 
niese der pathologischen Geisteszustände durch Beobachtung des allge¬ 
meinen Lebens gewonnen. In der klaren Auffassung und der Wiedergabe 
dieser Verhältnisse lieg© die Bedeutung des Werkes, das ©ine Fundgrube 
des Neuen und Anregenden darbiete. 
Mokbius geht von. der Voraussetzung aus, dafs sich der Dichter nicht 
nur mit dem normalen, sondern auch mit dem. abnormen Menschen be- 
schattigen müsse, weil der Normalmensch zugleich auch der mittelmäfsige 
uni langweilige sei.
        

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