Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
O. Külpe: Ueber den Einfluß der Aufmerksamkeit auf die Empfindungsintensität. III. intern. Congr. f. Psychol. S. 180-182
Person:
Stern, W.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit30755/1/
Literaturbericht. 
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mehr oder weniger „verfilzt“ und „verwischt“. Auch die Beschaffenheit 
der Farben Ändert sich je nach de* Entfernung. Er fahrt nun' fort“: 
„Warum sollen wir unserem wunderbaren Organ, das die feinsten Farben - 
nüancen unterscheidet, die Gabe absprechen, auch die Abschwftchung der 
LichtintensitÄt zu empfinden — als Modification der allgemeinen Nach- 
anfsenVerlegung, als Nah- und Ferngefühl zu empfinden?“ Hier macht H. 
einen logischen Sprung. Dafs wir die Abschwftchungen der Lichtintensitftten 
empfinden, ist gar nicht zu bezweifeln ; dafs wir aber diese Abschwächungen 
•ohne Weiteres als Nah- und Ferneindrücke „empfinden“, ist falsch; wir 
empfinden sie lediglich als Intensitfttsunterschiede. Können doch die 
gleichen Intensitätsdifferenzen durch ganz andere Ursachen herbeigeführt 
werden, als durch verschiedene Näh© und Feme, nämlich durch verschiedene 
objective Intensität gleich weit entfernter Reize! Auf Nähe oder Feme 
beziehen wir diese Intensitätsunterschiede nur dann, wenn wir wissen, 
dafs die objectiven Intensitäten nicht solche Differenzen zeigen — genau 
wie wir Gröfsenunterschiede der Bilder (z. B. von einer Reihe von Bäumen) 
nur dann auf verschiedene Entfernung beziehen, wenn wir wissen, dafs 
den wirklichen Gröfsen diese Verschiedenheit nicht zukommt. Hier liegt 
.ganz unbestreitbar „Deutung“ vor, und das ist auch ganz natürlich. Denn 
das Sehen mit einem Auge ist das Abnorme und bedarf keiner eigenen 
’Tiefenempfindung. Es genügt, wenn mit dem normalen. Tiefeneindruck, der 
nach Birth unmittelbar an das Doppelauge geknüpft ist, sich regelmäfsig 
jene Fernqualitiiten des Lichtes associlren; diese Associationen sind dann 
in den seltenen Fällen des monocularen Sehens stark genug, um den Tiefen¬ 
eindruck auszulösen. Uebrigens fallen die „Fernqualitäten“ zum gröfsten 
Theil mit der sogenannten „Luftperspective“ zusammen, die bereits von 
verschiedenen Beiten als ein wichtiger Factor der Tiefenwahrnehmung be* 
; schrieben worden ist. W. Stern (Breslau). 
A. M. Thàüziès. L’orientation Revue scientifique §, 392—397. 26 mars 1898. 
Thattziès theilt eine auf vielfältigen Erfahrungen beruhende anschau¬ 
liche Anleitung zur Erziehung von Brieftauben mit und berichtet dabei 
Clber das bekannte, grofse Orientirungsvermögen dieser Thiere. Die land¬ 
läufigen aber offenbar ungenügenden Versuche zur Erklärung dieses Orien- 
tirungsvermögens werden dargelegt und abgewiesen, während der Verf. 
selbst eine neue aber freilich überaus vage Hypothese über diesen Gegen¬ 
stand aufstellt. Die Flüge, welche die Brieftaube insbesondere des Morgens 
nach allen Himmelsrichtungen von ihrem Taubenschlag aus unternimmt, 
geben ihr nach ThauziRs Gelegenheit zur Aufnahme einer Menge optischer 
und „magnetischer“ Empfindungen, mit deren Hülfe es ihr später gelingen 
soll, in jeder Zeit und von jedem, Ort aus die Zone des Horizonts zu be¬ 
stimmen, in welcher sich der Taubenschlag befindet. 
Kahl Marbe (Würzburg). 
O. Kulpe. Beier den Haiti* der Atfaerkumkeit aif die XmpiadtBgsintensitlt. 
HI. intern. Congr. f, Psychol. S. 180—182. 
Nach einer Kritik der MüNSTERBERo'schen Versuche, welche bekannt¬ 
lich eine Schwächung der Empfindungsintensität durch die Aufmerksamkeit
        

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