Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
P. Ostmann: Ueber die Reflexerregbarkeit des Musculus tensor tympani durch Schallwellen und ihre Bedeutung für den Höract. Arch. f. Annat. u. Physiol., Physiol. Abthlg., 1898, S. 75-123
Person:
Schaefer
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit30749/1/
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Literaturbericht. 
gelingt nicht so ohne Weiteres, Es ist dazu noth wendig daft beide Gabeln 
sich direct oder mittelbar berühren. Eine Gabel, welch© in der Luft m. B. 
den Ton a* giebt, giebt unter Wasser, also in einem Medium von gröfterem 
Widerstande schwingend den tieferen Ton f*. Sie wird demnach auch am 
stärksten durch eine /' Gabel, weniger durch eine o1- Gabel aus der Luft 
her erregt. — Im Labyrinth haben wir nach Helmholtz den Fall verwirk¬ 
licht, daft abgestimmte Fasern in einer zähen Flüssigkeit durch Töne in 
der Luft zum Mitschwingen gebracht werden. Da nun Consistenz und 
Druck der Endolymphe wechseln und doch dem gleichen äufteren Tone 
immer die gleiche Tonempfindung entspricht, so mufs man nach Obigem, 
einen besonderen, diese Verhältnisse regulirenden Accomodationsapparat 
annehmen. Als einen solchen möchte Vert die Paukenhöhlenmuskeln an- 
Hchen. Schaefeb. 
P. Ostmamn. Heber die liflixerreglarkeii des Huicului tenir tympan! durch 
Schallwellen nnd Ihre Bedentnng für den flOract. Arch. f. Anat. u. Physiol, 
Physiol. Abthlg., 1898, 8. 75—123. 
Die Bedeutung des Tensors für das Hören hat man am Ohrpräparat, 
an Menschen, welche diesen Muskel willkürlich contrahiren können, und 
an Patienten, an denen, die Durchschneidung der Tensorsehne, die Teno- 
fcomie, ausgeführt werden muftte, studirt. Sein Vorhandensein ist un¬ 
wesentlich für die Feinheit des Gehörs; sein Fehlen macht aber das Ohr 
gegen hohe Töne überempfindlich. Im Ruhezustände verringert er durch 
seine Spannung die Bewegung des schallleitenden Apparates, insbesondere 
des Hammers und Trommelfelles, nach auften und ist somit ein kräftiger 
Schutz gegen eine übermäftige Excursion in dieser Richtung. Seine Con¬ 
traction spannt das Trommelfell straffer und zieht die ganze Gehör¬ 
knöchelchenkette nach innen, so daft durch das tiefere Eindringen des 
Steigbügels in das ovale Fenster der Labyrinthdruck erhöht wird. Hieraus 
folgt, dale eine tetanische Zusammenziehung des Tensors die in der Sprache 
und Musik vorwiegenden Töne sowie gewisse Geräusche abdämpft. 
Die Hypothese Hensen’s, der Tensor führe am Anfang einer jeden 
Silbe eine Zuckung aus, um das Trommelfell durch vermehrte Spannung 
zur Aufnahme der Vocale geeigneter zu machen, weist Verf. in eingehender 
Auseinandersetzung als ganz unrichtig zurück. Er fand im Gegentheil, 
daft zwar ein Hund, dessen. Reflexerregbarkeit durch Strychninvergiftung 
erhöht ist, auf manche Schalleindrücke mit Reflexzuckungen des Tensors 
reagirt, ein, normaler Hund solche jedoch in keinem Falle zeigt. Beim 
Menschen, kommt gelegentlich eine Tensorcontraction vor, welche als Ruck 
im Ohr empfunden wird und sich dem otoskopirenden Beobachter als ein© 
blitzschnelle, äufserst feine, über den Hammergriff und die angrenzenden 
Trommelfeilpartien hinweghuschende Bewegung darstellt. Die Veranlassung 
geben mit Vorliebe intensive höchste Töne und noch leichter starke, un¬ 
angenehme, hohe Geräusche, namentlich wenn sie erst in der Tiefe einsetzen 
und dann rasch und mit grofser Stärke die Tonskala hinauflaufen. Es 
werden hierbei offenbar in schneller Aufeinanderfolge zahlreiche Hörnerven 
gereizt, was dann die Tensorcontraction als Schutz- und Abwehrbewegung
        

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