Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sullivan: Alcoholism and Suicidal Impulses. Journ. of Ment. Sc. 44, 259-271. 1898
Person:
Umpfenbach
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit30715/1/
Li ter a turberich t. 
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Die Zwangsempfindung unterscheidet sich von der Zwangsvorstellung, 
dafs bei derselben wenigstens primär der Anschein vorhanden ist, als sei 
dieselbe durch einen äufseren correspondirenden Reiz ausgelöst, als handle 
es sich gewissem!aafsen um eine Wahrnehmung, Die sinnliche Stärke der 
Zwangsempfindung reicht zumeist nicht an die sinnliche Intensität der 
Wahrnehmung heran. Das Zwangsempfinden wird meist von vornherein 
in seinem Zwange, seiner Fremdartigkeit und Unzutreffenheit erkannt» — 
aber nicht immer, — Bei der ersten Gruppe der Zwangsempfindungen führt 
eine primär vorhandene durch äufsere Eindrücke oder innere Vorgänge 
hervorgerufene Sensation zur Auslösung der Zwangsempflndung, Zum Theil 
handelt es sich auch um Accommodationsstörungen. In manchen Fällen 
zieht eine Zwangsempfindung quasi durch Induction weitere Zwangs¬ 
empfindungen nach sich. — Bei der zweiten Gruppe von Zwang« 
empfindungen werden durch eine primär vorhandene Zwangsvorstellung 
die entsprechenden Empfindungen in mehr oder minder lebhafter Welse 
ausgelöst. 
Zwangsempflndungen kommen vor bald hei Personen, welche noch 
sonstige Zwangsphänomene haben, — oder auch für sich. Man trifft sie 
auch im Kindesalter im Anschluss an Anfälle, Migräne, psychische Traumen, 
sowie als Theilerscheinurigen von Angstkrisen. — 
L. bringt dann eine Reihe von Beobachtungen, aus denen das Vor 
kommen von Hallucinationen, welche den Charakter von Zwangsphänomenen 
aufweisen, bestätigt wird. Meistens handelt es sich dabei um Gesichts 
hallucinationen, dann Gehörshallucinationen, selten um Geruchshallucina 
tionen. Oft entsprechen die Hallucinationen inhaltlich den vorhandenen 
Zwangsvorstellungen, 
Zum Schlufs liefert L. einen neuen Fall zur Casuistik der Zwangs 
affecte. Ein junger Medieiner erblickt eine durchaus nicht appetiterregende 
Kellnerin, und wird sofort von unwiderstehlicher Liebe zu ihr erfüllt, die 
auch anhält, als das Mädchen sofort wieder verschwindet. Die Sehnsucht 
nach dem verschwundenen Mädchen macht den jungen Mann für lange 
Zeit zu jeder anderen Beschäftigung, z. B. das Examen, unbrauchbar. 
Dabei mischte sich Eifersucht, SchMefslich wurde der Zustand des Mannes 
durch Hypnose gebessert. Als Kriterien, dafs man die hier in Betracht 
kommenden Zustände als pathologische ansprechen rnufs, sind nach L.: 
1. Aufsergewöhnliches Mifsverhältnifs zwischen der Gröfse des Affectes 
(der Reizung) und der Qualität des auslösenden Objectes; 2. gänzliche und 
andauernde Unbeeinflufsbarkeît des Affectes durch irgendwelche Vernunft 
gemäfse Vorstellungen ; 8, unter Umständen auch Krankheîtseînsicht, — 
Umpfenbach, 
Sullivan. Alcoholism tod Suicidal impulses. Joum, of Ment. Sc, 44, 269—271. 
1898. 
S. constatirte in Liverpool unter 142 Selbstmordcandidaten, dl© er in 
Behandlung bekam (in 9 Monaten) HO Alkoholisten, also 77,6%, 54 Männer 
und 66 Weiber! In England rechnet man von allen Selbstmorden 12%dem 
Alkohol zur Last, Von 6146 im Lauf© des Jahres wegen Trunkenheit Ver¬ 
hafteten hatten 1,4 % Selbstmord verüben wollen. Unter den 110 Selbst-
        

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