Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
G. M. Stratton: Ueber die Wahrnehmung von Druckänderungen bei verschiedenen Geschwindigkeiten. Philos. Studien XII, S. 525-586
Person:
Stern, L. W.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit30704/1/
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Li teraturberich t. 
Wickelung zu immer complicirteren Formen eingehend geschildert. Eg er¬ 
ficht sich dann als Kriterium des lebenden Organismus „di© doppelte Ein¬ 
heit der Substanz oder Constitution und der Natur oder Activität, oder noch 
besser die Einheit der Constitution und der Natur“. Dl© Activität, die 
lebendige Bewegung, ist nicht spontan; sie hängt durchaus von. den Ge¬ 
setzen der Physik und Chemie ab. Aber sie ist, was nicht alle mechanischen 
Vorgänge der leblosen Welt sind, continuirlich, in einem, fortlaufend und, 
was in der unbelebten Natur nie vorkommt, immanent, d. h. der Organis¬ 
mus ist stets zugleich activ und passiv, er wirkt auf sich selbst, während 
die physikalischen Massen immer nur auf andere Massen wirken. Indem 
der Verl, so die Immanenz als einen hervorragenden Punkt in der Defi¬ 
nition. des Lebens hervorhebt, befindet er sich in bester Uebereinstimmung 
mit dem. heiligen Thomas von Aquina, der den Satz aufstellt: Ens vivens 
est substantia, in cujus natura est movere se ipsam. Schaefeh. 
G. M. Stbatton. Heber die W&hrnelmtng i§i irtcktiiereigei lei verschiede- 
161 Geschwindigkeiten. Phüos. Studien XII, S. 525—.586, 
Die STATTON’sche, im Leipziger Laboratorium ausgeführte Arbeit gehört 
zu. den werthvollsten Specialuntersuchungen auf dem Gebiet der Verände- 
rungsWahrnehmung. Da ich sie in meinem jüngst erschienenen Buch 
„Psychologie der Veränderungsauffassung“ nach allen .Richtungen hin einer 
ausführlichen Besprechung unterzogen habe — wobei ich Technik, Methodik 
und Ergebnisse rückhaltlos acceptiren konnte, dagegen seine Schlafsfolge¬ 
rungen, Deutungen und. Polemiken zum gröfsten Theil bestreiten mufste — 
so beschränke ich mich hier auf eine knappe Inhaltsangabe und citire zu¬ 
weilen in Klammern die Seitenzahlen meines Buches, wo Näheres zu 
finden ist. 
St. will die Empfindlichkeit sowohl für momentane als auch für con- 
tinuirliche Druckänderungen bestimmen, und zwar bei verschiedenen Normal- 
belastungen, wie auch bei verschiedenen Aenderungsgeschwindigkeiten. 
Ort des Druckes war stets eine Stelle an der Volarfläche der kleinen 
Fingerbeere. 
Als Apparat diente eine aufserordentlich sinnreiche Hebelvorrichtung, 
durch welche sowohl jedes beliebige Druckquantum plötzlich hinzugefügt 
und entfernt, wie auch eine allmähliche Druckänderung mit jeder beliebi¬ 
gen Geschwindigkeit herbeigeftihrt werden konnte. (Pb. d. V. 88.) Bei 
momentanen Druckänderungen wurden an vier Personen nach, der 
Methode der Minimaländerungen folgende Resultate erzielt: Für Normal¬ 
reize zwischen 75 und 200 Gramm, gilt das Weber’sehe Gesetz 
während, bei kleineren Anfangsgewichten der Bruch 
eich vergröfsert; die Schwelle für die Veränderungsrichtung liegt merklich 
höher als die Schwelle für die Existenz einer Veränderung überhaupt; die 
Werthe für beide Schwellen zeigen ziemlich parallelen Verlauf. 
Bei den allmählichen Druckveränderungen Ist die Methode be¬ 
sonders wichtig; dieselbe bestand nicht (nach meiner Terminologie) im 
„Bestimmungs“- sondern im „Beurth ei lungs verfahren“ ; d. h. : der Beobachter 
hatte nicht durch eine Reactionsbewregung den Moment der Veränderung»*
        

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