Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Anton Delbrück: Gerichtliche Psychopathologie. Ein kurzes Lehrbuch für Studierende, Aerzte und Juristen. Leipzig, Joh. Ambr. Barth. 1897. 224 S.
Person:
Schultze, Ernst
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit30496/1/
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Literaturberich t, 
Wickelung beim Kinde, wo man eine Anschauung von dem Gesetz gewinnen 
könne, nach welchem sich das Individuum eine eigenthümliche Handschrift 
aneignet. Die Mahnung ist um so zeitgemäfser, da die sog. Sachverständigen 
in Beurtheilung von Handschriften in foro eine wichtige Rolle spielen. 
Frxenkel (Dessau). 
J. Dewey. The Psychology of Effort. Philos* Rev. VI (1), S. 43—56. 1897. 
Empfindung und Gefühl der Anstrengung entstehen bekanntlich schon 
bei ungewöhnlicher Beanspruchung willkürlicher Muskeln oder aber Muskel¬ 
gruppen, sei es durch Belastung, oder ein lediglich durch die Umstände 
veranlafstes Heben von Gewichten, oder bei entsprechender Innervation, 
z. B. sogenannter „Rollung“ des Arms, etwa bei Anwendung eines Bohrers. 
Ferner bei lediglich reflexmäfisiger Fixation sehr naher z. B. leuchtender 
Objecte im Accommodationsmuskel, ebenso unter geeigneten Umständen 
in den Augenmuskeln als einfache Perception ungewöhnlicher Bean¬ 
spruchung und nicht nothwendig mit gleichzeitiger Vorstellung des be¬ 
treffenden Zieles oder auch der betreffenden Bewegung selbst. Die Vor¬ 
stellung der Anstrengung entsteht zweitens durch Widerstreit von Vor¬ 
stellung und Ausführung unter geeigneten Umständen: So z. B. schon bei 
herabgesetzter Innervationsfähigkeit, schlechter Coordination u. s. w. und 
verstärkt sich hier augenscheinlich durch den Contrast. Nach Dewey 
entsteht sie indessen immer auf letztere Art und diese Auffassung wird 
von ihm ausnahmslos auch auf Anstrengung bei geistiger Thätigkeit und 
bei Ermüdung ausgedehnt. Diese Auffassung soll nach Verf. zunächst 
vollkommen empirisch sein, doch hat man hierbei die eigenthümliche 
Stellung desselben hinsichtlich der Unterscheidung von sensoriell und 
muskulär zu berücksichtigen. Für die Empirie kann nach Obigem aber 
der oben angeführte Widerstreit nur als hinzukommende Begleiterscheinung 
bezw. als besonderer Fall der Anstrengung gelten, da diese schon bei 
reflexartiger oder sonst einfacher Innervation auftritt, ohne dafs zugleich 
ein solcher Widerstreit der Vorstellungen vorhanden zu sein braucht 
Anders ist es freilich, wenn man deductiv den Fall behandelt. Man hat 
dann insbesondere den Begriff der „Vorstellung“ der Anstrengung gegen¬ 
über ihren Elementen Empfindung und Gefühl vor sich. Bei Scheidung 
dieser beiden wird man die Darstellung Dewey’s lediglich auf die com- 
plexere Vorstellung der Anstrengung beziehen und in dieser Hinsicht be¬ 
stätigen können. P. Mentz (Leipzig). 
Anton Delbrück. Gerichtliche Psychopathologie. Eit ktrxes Lehrbach ft 
Studierende, lente and Juristen. Leipzig, Joh. Ambr. Barth. 1897. 2243. 
Dieses jüngste Lehrbuch der gerichtlichen Psychiatrie, dessen Ver¬ 
fasser wir die bekannte und interessante Studie über „Die pathologische 
Lüge und die psychisch abnorme Schwindelei“ verdanken, ist wohl daa 
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erste, welches ganz auf dem Boden der neuen Strafrechtslehre steht, wie 
sie sich insbesondere in Ferri’s Werk (Sociologia criminale. refer, in dicstr 
Zeitschrifr Bd. VIII, S. 315—320) w'iederfindet. 
Dementsprechend ist Verf.' bestrebt, den Begriff der Willensfreiheit 
möglichst auszuschalten, um so metaphysische Controverse und Wider-
        

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