Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
H. Ewald Hering: Das Hebephänomen beim Frosch und seine Erklärung durch den Ausfall der reflectorischen antagonistischen Muskelspannung. Pflüger's Archiv für die ges. Physiologie Bd. 68, S. 1-31. 1897
Person:
Pilzecker, A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit30453/1/
Literaturbericht. 
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Wegweiser dienen, erscheinen für den gänzlichen Mangel psychischer Vor¬ 
gänge noch nicht absolut beweisend. Auch die Capitel „Besitzen die 
Ameisen Mittheilungs vermögen ?" „Weisen andere Verrichtungen der Ameisen 
auf den Besitz psychischer Qualitäten hin?“ und „Existiren andere That- 
sachen, welche uns zwingen, den Bienen psychische Qualitäten zuzu¬ 
schreiben ?" dürften den vorurtheilsfreien Leser nicht unwiderstehlich über¬ 
zeugen, dafs wirklich alle und jede Psyche den Ameisen und Bienen ab¬ 
geht. Die Beweisführung beschränkt sich zu sehr auf herausgegriffene 
Einzelheiten und geht auf Wichtiges nicht immer tief genug ein, was aller¬ 
dings bei der relativen Kürze der Abhandlung auch kaum möglich war. 
Ein sehr interessantes Resultat ergeben dem Verf. die mühsamen Ver¬ 
suche betreffs der Frage, wie die Bienen nach Hause finden. Weder ein 
Orientirung8vermögen, noch Erinnerungsbilder, noch optische, akustische 
oder magnetische Einflüsse ermöglichen es den Bienen, den Stock wieder 
zu finden. Ein von diesem ausgehender Neststoff, also Riechstoff ist nicht 
ganz unbetheiligt, aber nichts weniger als ausschlaggebend. Eine „ganz un¬ 
bekannte Kraft" führt die Bienen aus einer Entfernung von mehreren 
Kilometern zu ihrer Behausung zurück oder vielmehr zu der Stelle, wo sie 
abgeflogen sind, denn bringt man das Flugloch während des Schwärmens 
an einen anderen Platz, so versammeln sich alle Bienen gleichsam rathlos 
an dem früheren Standort desselben. — Im Schlufswort giebt B. seine 
Ueberzeugung kund, dafs die ersten Anfänge psychischen Lebens in der 
Wirbelthierreihe zu suchen wären. Schaefer (Rostock). 
H. Ewald Hering. Das Hebepbiiomen beim Frosch and seine Erklärung 
durch den Ausfall der reflectorischen antagonistischen Maskelspannung. 
Pflcger’s Archiv für die ges. Physiologie Bd. 68, S. 1—31. 1897. 
Als Hebephänomen hatte H. in einer früheren Arbeit die von ihm ge¬ 
fundene Thatsaehe bezeichnet, dafs Frösche nach Durchschneidung der 
hinteren Wurzeln beim Niedersprung die Hinterbeine über das normale 
Maafs hinaus beugen und in die Höhe schleudern. Die Erklärung suchte 
er in dem Wegfall einer centipetalen Hemmung. In der uns vorliegenden 
Arbeit analysirt er das atactische Hebephänomen beim Frosch weiter. Es 
stellte sich heraus, dafs dasselbe ebenso nach Durchschneidung der ge¬ 
mischten Nerven oder der Sehnen des Muskels, wie nach Durchschneidung 
der hinteren Wurzeln der Hinterbeine zu erzielen ist. In allen 3 Fällen 
handelt es sich dabei um Herabsetzung der Muskelspannung der anta¬ 
gonistischen Muskeln. H. entwickelt sodann weiter seine Ansicht dahin, 
dafs wenn bei einer durch die Thätigkeit der Agonisten herbeigeführten 
(von äufseren Widerständen unbehinderten) Bewegung einer Extremität, 
die antagonistisch auf jene Bewegung wirkenden Muskeln gedehnt werden, 
die Spannung derselben reflectorisch verstärkt und so der Ablauf der Be¬ 
wegung regulirt wird. Der Wegfall dieser reflectorischen Spannung der 
Antagonisten in Folge Functionsunfähigkeit der centripetalen Nerven der 
Muskeln bewirkt die bei tabes zur Erscheinung kommende cntripetale 
Ataxie. A. Pilzecker (Göttingen).
        

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