Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
W. v. Bechterew: Ueber des suggestiven Einfluss der akustischen Sinnestäuschungen. Centralblatt f. Nervenheilkd. u. Psychiatrie. N. F. Bd. VIII. S. 508-510. 1897
Person:
Schultze, E.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit30373/1/
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Li ter a turbericli t. 
und Lückenlosigkeit besitzt, erhält es die „Wachqualität“ und das Bewusst¬ 
sein des Traumes oder die „Dissoziation“ geht verloren. Jene Eigen¬ 
schaften aber kann ein Erinnerungsbild sowohl dann erhalten, wenn die 
Halluzination durch starke Gefühlsbetonung weitverzweigte Assoziationen 
anregt oder durch ihre Seltsamkeit die Aufmerksamkeit besonders auf sich 
zieht, als auch wenn ein ähnliches stark gefühlbetontes Ereigniss die Er¬ 
innerung an die Halluzination zurückruft. Die Richtigkeit seiner Annahme 
beweist Yerf. an einer Serie von 26 bestbeglaubigten Fällen mit Todes¬ 
koinzidenz, die der Bericht anführt. 21 von diesen 26 Fällen spielen sich 
entweder in der Nacht oder beim Anblick glatter Gegenstände („Kristall- 
Visionen“) oder unter ähnlichen einschläfernden Umständen ab und machen 
somit den Zustand der Dissoziation mehr als wahrscheinlich. Dass bei 
den übrigen 5 Fällen derartige verdächtige Anzeichen fehlen, führt Yerf. 
darauf zurück, dass einerseits bei der bisherigen Unkenntniss des Wesens 
der Wach-Halluzinationen man auf die verdachterregenden Momente zu 
wenig Rücksicht nahm, andererseits die Fälle 9—27 Jahre von der Bericht¬ 
erstattung zurückliegen und dadurch jene Momente sich allzu leicht ver¬ 
wischen, wie Yerf.. zahlenmässig nachweist. 
Als vierten und wichtigsten Einwand stellt Yerf. den Satz hin : „Wenn 
für den Inhalt einer Trugwahrnehmung die Inhalt bildenden Elemente 
aufzeigbar sind, so ist es nicht erlaubt, die Halluzination als das Endglied 
einer anderen heterogenen „Kette“ von Ursachen zuzuschreiben“ (S. 40). 
Allerdings macht das Komité darauf aufmerksam, dass Angst, Unruhe und 
Suggestion nicht zur Erklärung ausreichen; aber es hat die Thatsache der 
Gedankenverbindung, die ja auch das normale Seelenleben stark be¬ 
herrscht und vielleicht zu dem Inhalt der Halluzination führte, übersehen, 
während Yerf. ihren Einfluss an einigen sehr charakteristischen Beispielen 
in überzeugender Weise nachweist. Natürlich ist letzteres bei der geringen 
Kenntniss der halluzinirenden Personen und ihrer Verhältnisse nur selten 
möglich; aber nicht der Nachweis des Verhandenseins ist Sache des 
Kritikers, sondern der des Nichtvorhandenseins Pflicht der Anhänger der 
Telepathie — eine nicht zu lösende Aufgabe. 
Eine Kritik dieser Kritik ist kaum nöthig; jeder Anhänger einer 
nüchternen Forschung wird den Ausführungen des Yerf. nur zustimmen 
und sie um so freudiger begrüssen, als sie von einem Forscher stammen, 
der den okkultistischen Wissenschaften nicht mit vorurtheilsvoller Feind¬ 
seligkeit gegenübersteht. Arthur Wreschner (Giessen). 
W. v. Bechterew. Ueber den suggestiven Einfluss der akustischen Sinnes¬ 
täuschungen. Centralblatt f. Nervenheilkd. u. Psychiatrie. N. F. Bd. VIII. 
S. 508-510. 1897. 
Unter Bezugnahme auf ein mitgetheiltes Beispiel vergleicht v. B. das 
konsequente und hartnäckige Festhalten an durch Halluzinationen beding¬ 
ten Ideen trotz deren evidenter Ungereimtheit bei sonst intakter Intelligenz 
mit den im hypnotischen Zustande suggerirten Ideen ; in beiden Fällen 
tritt nach Yerf. etwas ganz unabhängig vom „Ich“ des Subjekts in die Be¬ 
wusstseinssphäre und kann so zu einer dominirenden Stellung gelangen. 
E. Schultzp (Bonn).
        

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