Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ch. Dunan: L'âme et la liberté. Rev. philos. Bd. 44. S. 1-33, 129-158. 1897. Nr. 7 u. 8
Person:
Giessler, M.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit30362/1/
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Li ter a turberieh t. 
man meist mechanisch spricht, und dass das Gedächtniss das Automatische 
am. schwersten behält. — Nach D. ist es die Empfindung des Gegensatzes 
zwischen Traum und Wachen, welche das Bewusstsein und die Erinnerung 
an den Traum hervorbringt. Also die Differenzirung des Traum- und 
wachen Zustandes würde die Bedingung für die Erinnerung sein. Diese 
Trennung kann während des Erwachens stattfinden, oder im Wachen vor 
einem späteren Traume, oder während des Traumes, indem man träumt, 
dass man träumt. 
Meiner Ansicht nach hat Duoas Recht gegenüber der Hypothese von 
Goblot. Interessant wäre es gewesen, wenn D. noch eine Art von Er¬ 
innerungen an Träume berücksichtigt hätte, nämlich diejenigen Fälle, vor 
denen man sich während des Träumens entsinnt, dass man dasselbe Er¬ 
eigniss ganz oder theilweise schon früher einmal oder einige Male erlebt 
hat, ohne dass es Einem jedoch klar wird, dass dies in einem früheren 
Traume geschehen ist. M. Giessler, (Erfurt). 
Ch. Dunan: L’àme et la liberté. Rev. philos. Bd. 44. S. X—33, 129—158. 1897. 
Nr. 7 u. 8. 
Verf. versucht es, die Probleme der Seele und Freiheit metaphysisch 
abzuleiten. Dies geschieht zunächst mit Bezug auf die Seele: Die phäno¬ 
menale Welt wird von zwei Grundgesetzen dirigirt, den Gesetzen der Ur¬ 
sächlichkeit und Zweckmässigkeit. Beide Gesetze gelten absolut. Für die 
absolute Geltung des ersten werden drei Beispiele beigebracht. Die Un¬ 
bestimmbarkeit der Naturphänomene nach Qualität und Quantität rührt da¬ 
her, dass die Ursache, welche jedes Phänomen hervorbringt, das Unend¬ 
liche selbst ist. Auch die Lage eines Körpers lässt sich nicht genau 
bestimmen, weil sie vom Totalraum abhängt. Endlich ist die Bewegung 
eines Körpers nur eine Funktion der Bewegung aller Körper auf ein Mal. 
Dass das Gesetz der Zweckmässigkeit absolut gelten muss, sieht man 
daraus, dass die Phänomene in der Welt einander koordinirt sind. Sie 
müssen koordinirt sein. Denn wäre die Welt ein Chaos, so würde das 
organische Leben nicht möglich sein. Die Zweckmässigkeit kann jedoch 
nicht intentionell sein. Denn ein einzelnes Phänomen kann sich nicht mit 
allen anderen Phänomen in Beziehung setzen. Dazu würde eine grenzen- 
. lose Plastizität gehören. — Es fragt sich weiter, in welcher Weise ein ein¬ 
zelnes Phänomen durch kausale und finale Gesetze hervorgebracht wird. 
Die Unendlichkeit kann ein Phänomen nicht realisiren, weil das Phänomen 
schon selbst zur Unendlichkeit gehört. Auch kann eine Unendlichkeit von 
Ursachen keinen endlichen Effekt hervorbringen. Nur eine vereinheit¬ 
lichte universelle Kraft, d. h. eine Seele, kann ein Phänomen erzeugen. Die 
beiden Attribute der Seele sind Leben und Gedanke. Das Leben bietet 
zwei Seiten, zunächst die Produktion der Phänomene, sodann einerseits die 
Folge und Entwickelung, andererseits die Ordnung der Phänomene in Be¬ 
ziehung zu einander. Ersteres ist die dynamische, letzteres die statische 
Seite des Lebens. Unter Gedanken muss man hier den spontanen Gedanken 
verstehen, d. h. einen solchen, welcher sich nicht kennt, welchen kein Be¬ 
wusstsein begleitet. Ein solcher Gedanke beherrscht z. B. den lebenden 
Körper. Der reflexive Gedanke dagegen betrachtet sich selbst, beurtheilt
        

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