Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Fr. Schenck: Ueber intermittirende Netzhautreizung. 3.-7. Mittheilung. Pflüger's Archiv. Bd. 68, S. 32-54. 1897
Person:
Marbe, Karl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit30356/1/
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Litera turbericht. 
auf einen Theil der Netzhaut entsteht in dem übrigen die Empfindung der 
Kontrastfarbe, also in diesem Falle Grünsehen. Während der Wanderung 
über die Schneefläehen macht sich aber wegen der starken Intensität des 
weissen Lichtes keine farbige Empfindung geltend. Erst beim Eintritt ins 
Dunkle werden die komplementärgefärbten Nachbilder sichtbar, indem die¬ 
jenigen Theile, die vorher nicht roth belichtet waren, also die zentralen 
Parthien die Empfindung des Rothen, die rothbelichteten dagegen die des 
Grünen hervorrufen. 
Diese Erklärung hat gewiss den Vorzug der Einfachheit und ist frei 
von unbewiesenen Hypothesen, trägt aber doch nicht allen Thatsachen der 
EccHs’sehen Beobachtungen Rechnung, besonders scheint sie dem Re¬ 
ferenten nicht für die Vertheilung der farbigen Empfindungen im Gesichts¬ 
feld, wie sie Fuchs beschreibt, auszureichen. 
Abelsdorff (Berlin). 
Fr. Schenck. Ueber mtermittirende Netzhautreizimg. 3.-7. Mittheilung. 
Pflüger’s Archiv. Bd. 68, S. 32—54. 1897. 
Die dritte Mittheilung trägt den Titel : Ueber den Einfluss des Simultan¬ 
kontrastes auf die Verschmelzung der Lichtempfindungen. Es handelt sich 
aber in dieser Mittheilung nicht um ein Verschmelzen von Empfindungen, 
sondern um ein Verschmelzen von Erregungen oder auch von Reizen, wo¬ 
fern man das Wort „Verschmelzen“ in dem bildlichen Sinne gebraucht, in 
dem es der Referent früher (Philos. Stud. Bd. 9, S. 384) der Kürze wegen 
eingeführt hat und in dem es so viel heisst als eine konstante Empfindung 
erzeugen. Schenck zeigt experimentell, dass, wenn man zwei successiv- 
periodische Reize durch Löcher in verschieden hellem Karton beobachtet, 
die kritische Periodendauer mit wachsender Helligkeit des Kartons ab¬ 
nimmt. Bei zwei anderen Versuchsanordnungen konnte Verf. in Ueberein- 
stimmung mit Baader (Freiburger Diss. 1891) und im Gegensatz zu Sher¬ 
rington (Journal of Physiology. Vol. XXI, S. 33) einen Einfluss des Kon¬ 
trastes auf das Verschmelzungsphänomen nicht nachweisen. 
Ref. hat gezeigt (Philos. Stud .Bd. XII, S. 280 f.), dass unter sonst vollkommen 
gleichen Bedingungen die Verstärkung der mittleren Intensität für die Ver¬ 
schmelzung der Reize günstig ist. Hieraus folgt, dass von je zwei Reizen 
von gleicher Intensitätsdifferenz diejenigen am leichtesten verschmelzen, 
die am intensivsten sind. Ref. konnte die Richtigkeit dieser von ihm 
selbst gezogenen Folgerung bisher nicht experimentell nachweisen, da sich 
im Gegentheil zeigte, dass gleichen objektiven Reizunterschieden ungefähr 
gleiche kritische Periodendauern entsprechen. Schenck findet nun zwar 
gleichfalls das Ergebniss, dass gleichen Reizunterschieden gleiche kritische 
Periodendauern entsprechen, theilweise bestätigt. Bei Anwendung von 
genügend kleinen Reizdifferenzen konnte er aber ganz deutlich die Gültig¬ 
keit des Satzes nachweisen, dass von je zwei Reizen von gleicher Intensitäts¬ 
differenz diejenigen am leichtesten verschmelzen, welche die grösste 
mittlere Intensität haben. Der vom Ref. ausgesprochene Satz „gleichen 
objektiven Unterschieden entsprechen gleiche kritische Periodendauern“ 
(Philos. Stud. Bd. XIII, S. 113 ff.) ist daher in dieser Allgemeinheit unzu¬ 
treffend und muss auf grössere Reizunterschiede beschränkt werden.
        

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