Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
1.) Alice Hamlin: Attention and Distraction. Amer. Journ. of Psychol. VIII (1), S. 3-66. 1896 / 2.) F. E. Moyer: A Study of Certain Methods of Distracting the Attention 1. Addition and Cognate Exercises; Discrimination of Odors. Ebda VIII (3), S. 405-13. 1897
Person:
Külpe, O.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit30308/3/
Litera turb erich t. 
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grössere individuelle Unterschiede in dem Verfahren hei der Addition, bei 
der Hebung der Gewichte und bei der Erinnerung an den ersten Eeiz be¬ 
obachtet. Hierüber geben zugleich Versuche von Moyer (2) und Parrish näheren 
Aufschluss. Einige Personen stellten sich die Zahlen optisch vor, Andere hatten 
mehr akustische und taktil-verbale Bilder. Einige hatten Erinnerungsbilder 
des ersten Reizes während des Intervalls zwischen beiden, Andere reprodu- 
zirten den ersten Reiz nur, sobald der zweite erfolgte. Die Hebung der zu 
vergleichenden Gewichte geschah bald so, dass der Arm während des Inter¬ 
valls in dem Spannungszustande blieb, den er durch die erste Hebung er 
fahren hatte, bald so, dass er in den schlaffen Anfangszustand zurück 
kehrte. Die hier kurz mitgetheilten Versuche von Parrish über den Ein 
fluss dieses Unterschieds ergaben, dass das Urtheil im zweitenEalle wesent¬ 
lich genauer ist. 
Diese Analyse des von Münsterberg eingeschlagenen Verfahrens lehrt 
somit, dass auf solchem Wege über den Einfluss der Aufmerksamkeit gar 
nichts ausgemacht werden kann. Verf. zeigt dies aueL an den von M. 
selbst mitgetheilten Versuchszahlen. Sie geht sogar kritisch auf die 
theoretischen Betrachtungen, die das eigenthümliche Resultat nach Münster- 
berg’s Ansicht erklären, ein. Da diese wohl von keinem auch nur einiger- 
maassen urtheilsfähigen Psychologen ernst genommen worden sind, hätte 
sie sich diese Mühe sparen können. Den Beschluss der wichtigen Arbeit 
bildet eine Diskussion der Fehlerquellen und Vorsichtsmaassregeln, die bei 
einer solchen Untersuchung Berücksichtigung verdienen. Wir heben aus 
diesen Bemerkungen hervor, dass der Experimentator irgend einJKriterium 
für die stetige Andauer der Ablenkung sich verschaffen müsse, dass gefühls¬ 
betonte Eindrücke besonders hohen Ablenkungswerth besitzen, dass die 
individuellen Verfahrungsweisen bei dem Gebrauch der Ablenkungsmittel 
und bei der Erinnerung an den ersten Reiz beachtet werden müssen. 
Der Verf. der zweiten Abhandlung ergänzt die erste durch eine 
spezielle Prüfung verschiedener Ablenkungsmittel. Ein solches muss 
1. graduell abstufbar, 2. von stetiger, gleichmässiger Wirkung und 3. be- 
normalen Subjekten allgemein brauchbar sein. Es wurden untersucht die 
Addition, das Niederschreiben von Worten einer Sentenz in umgekehrter 
Ordnung, das Rückwärtsschreiben der Buchstaben eines Wortes, die Ueber- 
setzung einfacher Sätze in eine fremde Sprache mit gleichzeitigem Schreiben 
der Worte und Buchstaben in umgekehrter Ordnung, endlich die Erkennung 
von Gerüchen. Unterscheidung zweier grauer Scheiben oder zweier Schall¬ 
intensitäten war die Aufgabe ; aus den dabei erhaltenen Prozentzahlen 
richtiger Urtheile wurde auf die Wirksamkeit des Ablenkungsmittels ge¬ 
schlossen. Als das beste, das annähernd die oben geforderten Eigenschaften 
besitzt, erwies sich das zuletzt erwähnte. 30 Fläschchen mit riechenden 
Substanzen standen zur Verfügung. Ungefähr gleichzeitig mit dem ersten 
Schalleindruck begann die Versuchsperson an einem zu riechen und hatte 
den Geruch zu bestimmen resp. die durch ihn angeregten Vorstellungen zu 
verfolgen, bis das Experiment zu Ende war. Sehr schwächender sofort ern 
kennbare oder ganz unbekannte Gerüche bewirkten keine gute Ablenkung, 
Die vollständigste wurde durch bekannte Gerüche, deren Namen nicht 
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