Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Carl Stumpf: Geschichte des Konsonanzbegriffes. Erster Theil. Abhandlungen der k. bayr. Akad. der Wissensch. I. Kl. XXI. Bd. 1. Abth. München 1897. In Kommission des G. Franz'schen Verlags (J. Roth). 78 S. 4° / Carl Stumpf: Die pseudo-aristotelischen Probleme über Musik. Abhandlungen der k. preuss. Akademie der Wissensch. zu Berlin v. J. 1896. Berlin 1897. In Kommission bei Georg Reimer. 85 S. 4°.
Person:
Riemann, Hugo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit30296/1/
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Besprechungen. 
von der Giltigkeit des allgemeinen Kausalgesetzes, nicht mehr der Psycho¬ 
logie, sondern bereits der Metaphysik zugehört. — Ein Paragraph von 
gleichmässig psychologischem wie ethischem Interesse, über die Entwicke¬ 
lung eines sittlichen* Charakters, bringt das Buch zu würdigem Abschluss. 
Es sind zum Theil schon jenseits der Grenze wissenschaftlicher Strenge 
stehende Gesinnungselemente, die da bisweilen mitsprechen, und so ist es 
wohl vorauszusehen, dass die Schlussgedanken nicht in Jedermanns Brust 
sympathischen Widerhall wecken werden ; Achtung aber müssen sie Jedem 
abnöthigen, der sittlichen Ernst zu schätzen weiss. — 
Ueberblicken wir somit den Inhalt des Buches, so finden wir ihn vor 
Allem dadurch ausgezeichnet, dass er eine ziemliche Menge neuer, für die 
Grundfragen der Psychologie wichtiger Gesichtspunkte und Forschungs¬ 
ergebnisse zum ersten Male einer zusammenhängenden Darstellung des 
Seelenlebens einfügt. Es füllt dadurch eine geradezu empfindliche Lücke 
der psychologischen Literatur aus, freilich so, dass man auch nun von 
den übrigen als brauchbar anerkannten Gesammtdarstellungen der Psycho¬ 
logie kaum eine wird missen wollen. Witasek (Graz). 
Carl Stumpf. Geschichte des Konsonanzbegriffes. Erster Theil. Abhandlungen 
der k. bayr. Äkad. der Wissensch. I. Kl. XXI. Bd. 1. Abth. München 1897. 
In Kommission des G. Franz’schen Verlags (J. Both). 78 S. 4°. 
Carl Stumpf. Die pseudo-aristotelischen Probleme über Musik. Abhandlungen 
der k, preuss. Akademie der Wissensch. zu Berlin v. J. 1896. Berlin 1897. 
In Kommission bei Georg Beimer. 85 S. 4 °. 
Nachdem Stumpf bereits mit seiner Tonpsychologie (Bd. I—II, 1883, 
1890) als Führer auf neuen Bahnen in die vorderste Beihe der Vertreter 
der Musikwissenschaft getreten, stellt er sich mit den beiden vorliegenden 
Arbeiten nunmehr auch unter die Musikhistoriker, speziell unter die Forscher 
auf dem Gebiete der Musik der alten Griechen. Wie er dazu gekommen, 
berichtet er selbst (Gesch. d. K. S. 3): „Die vorliegende Untersuchung wurde 
in erster Linie nicht aus historischem, sondern aus sachlichem Interesse 
unternommen, zu welchem das historische sich freilich bald gesellte. Man 
ist heute, nachdem Helmholtz’ Erklärung der Konsonanz mehr 
als zweifelhaft geworden, mit der alten Frage aufs neue beschäftigt. 
Ein Merkmal scheint Eingang zu finden, das der Verfasser ohne noch etwas 
von der altgriechischen Theorie zu wissen, bei langjähriger Vertiefung in 
die Erscheinungen des Tongebietes als wesentlich zu erkennen glaubte, 
nämlich die Unterschiede in den Verschmelzungsstufen oder in 
der Einheitlichkeit des Eindrucks beim Zusammenklange der Töne. Da ist 
es nun lehrreich zu sehen, wie die scharfe Beobachtungsgabe der Griechen 
dieses Merkmal der sinnlichen Erscheinung bereits erfasste . . . Erst mit 
dem Beginn der christlichen Musikepoche traten mehr und mehr Unter¬ 
schiede in der Annehmlichkeit des Zusammenklanges in den 
Vordergrund, die man dann auf allerlei Wegen, zuletzt durch den Hinweis
        

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