Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bombarda: Un fait d'anarchisme. Revue neurologique. Aé. 4. No. 19. 15 Octobre 1896
Person:
Fraenkel
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit30239/1/
Litter aturbericht. 
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Personen legt er besondere Akten an (dossier), die ihre Personal¬ 
beschreibung und sonstigen Eigenschaften enthalten und die er im Ver¬ 
laufe seiner Arbeit stets aufs neue zu Pate zieht. Auch auf den Namen 
wird ein besonderer Wert gelegt, und er sucht ihn mit Sorgfalt aus dem 
Adrefsbuche aus. Endlich ist er soweit in seiner Arbeit vorgeschritten, 
um näher auf die einzelnen Kapitel einzugehen, und erst wenn er auch 
dies gethan, giebt er sich an das Schreiben seines Werkes. 
Nunmehr aber, steht der Plan seines Werkes so fest und unver¬ 
rückbar vor seinen Augen, dafs er von nun an in einem Zuge arbeitet, 
ohne das Geschriebene nachzulesen und ohne an Stil und Inhalt das 
Mindeste zu ändern. Dabei ist er Sklave seiner Ordnungsliebe und diese 
Ordnungsliebe erleichtert ihm seine Arbeit. 
Tag für Tag sitzt er zur gewohnten Stunde an seinem Arbeitstisch 
und arbeitet ohne Unterbrechung etwa 3 Stunden. Hat er diese Arbeit 
gethan, dann ist das Werk den Pest des Tages für ihn nicht mehr vor¬ 
handen, er denkt nicht mehr daran und nie hat er davon geträumt. 
Ich hoffe, dafs es mir gelungen ist, meiner Überzeugung von dem 
besonderen Werte des vorliegenden Buches den entsprechenden Ausdruck 
zu geben, und wir werden den in Aussicht gestellten ferneren Unter¬ 
suchungen mit Spannung entgegen sehen. Pelman. 
Bombarda (Lissabon). Un fait d’anarchisme. Berne neurologique. Aß- 4. 
No. 19. 15 Octobre 1896. 
Die wahrhaft „rührende“ Geschichte, die der Verfasser vorträgt, 
dient ihm zum Beweise, dafs man Anarchist und Königsmörder sein 
kann, ohne an Geisteskrankheit zu leiden, dafs Pégis also mit Un¬ 
recht die Einsperrung der Anarchisten in Irrenhäuser befürwortet. — 
Die Aufstellung eines typischen Anarchistenwahnes, den man auf phy¬ 
sische und psychische Degeneration und auf die Analogie mit dem Ver¬ 
brechertum zurückführe, sei ebenso ungerechtfertigt, da man nicht 
einmal die Grenzen zwischen einem physiologischen und pathologischen 
Gehirnzustande festzustellen vermag. Der betreffende L., ein unver¬ 
schuldet herabgekommener, sonst unbescholtener Landmann, trägt aller¬ 
dings ererbte körperliche Stigmata. 
Sein Vater war ein Trinker. Er selbst hat einen abnormen, skaphoke- 
phalen, asymmetrischen, dolichokephalen Schädel, sein linkes Ohr zeigt 
einen stark ausgesprochenen DARwixschen Höcker, das rechte an der¬ 
selben Stelle einen tiefen Einschnitt im Knorpel; die Weisheitszähne sind 
nie erschienen. (L. ist ca. 36 Jahre alt.) Die linke Pupille ist enger als 
die rechte; das Gesichtsfeld differiert zwischen 45 und 70°. Das Dynamo¬ 
meter zeigt an der rechten Hand 45’, an der linken 38 . Sonst ergiebt 
die genaue physikalische Untersuchung, aufser einem leichten Zittern 
der Hände, betreffs der Peflexe und der Sensibilität nichts Erhebliches, 
so dafs auch von der Möglichkeit einer Paralyse abgesehen wurde. — 
Von Charakter sanftmütig, hülfreich, verträglich, wegen seines Fleilses 
ein beliebter Arbeiter, als Soldat gehorsam, als Gatte und A ater von drei 
Kindern pflichtgetreu, ist sein Geist zwar ungebildet (er lernte erst als 
Soldat lesen und schreiben), aber folgerichtig im Denken. Die exzentrische
        

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