Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sante de Sanctis e Maria Montessori: Sulle cosidette Allucinazioni antagonistiche. Il Policlinico. Vol. IV. 1897. 17 S.
Person:
Fraenkel
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit30235/1/
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Litteraturbericht. 
liehe Selbstmordversuche macht. In einem derartigen Anfalle, den der 
Patient als „religösen Wahn“ bezeichnet, hatte er seinen militärischen 
Posten verlassen und eine Wallfahrt nach einer 24 Meilen entfernten 
Kirche gemacht, war noch zweimal geflüchtet, wurde aus dem Dienst 
entlassen u. s.w. Dafs er an Angst-und Zwangsvorstellungen mehr als 
an Willensschwäche litt, ging aus den mit voller Einsicht in seinen Krank¬ 
heitszustand gemachten eigenen Mitteilungen des Kranken hervor, der 
den lebhaften Wunsch zu genesen hatte. Das quälendste Symptom 
aber war, dafs Patient, der gut beanlagt und noch neuerdings das Eng¬ 
lische mit Erfolg erlernt hatte, in seiner letzten Stellung sich in un¬ 
gewöhnlicher Weise zerstreut und vergefslich zeigte. Er ver¬ 
wechselte die Briefe, Adressen und Packete an die Kunden des Schuh¬ 
machers, und vergafs den Namen der Strafse, in der er wohnte, sodafs 
er sich nicht wieder nach Hause finden konnte, obgleich er Eom, wo er 
geboren ist, durch und durch kannte. — Je mehr er sich anstrengte, die 
Dinge zu entwirren, desto mehr verwirrte er sie; im G-egenteil, je weniger 
er über den zu nehmenden Weg nachdachte, desto eher fand er sich zu¬ 
recht, indem er sich willenlos den eingeübten Bewegungen überliefs. 
Der Eall spricht also nicht für Mangel an Aufmerkamkeit, sondern für 
eine Art der Anstrengung derselben, wodurch eine sofortige Erschöpfung 
der Binde, daraus Verwirrung und als Gefühlsäquivalent die Angst ent¬ 
stand. — Verfasser will aber diese Episode in dem Zustande seines an kon¬ 
stitutioneller Willenschwäche leidenden Degenerierten als charkteristische 
tiefe Aufmerksamkeitsstörung, Dysprosessia, angesehen wissen, aber 
weder für Aprosessia, noch für Hyperprosessia — Ausdrücke für 
mangelnde und überspannte Aufmerksamkeit, die Verfasser aus dem 
Griechischen italienisiert hat. Fraenkel (Dessau). 
Sante de Sanctis e Maria Montessori — Bulle cosidette Allucinazioni 
antagonistiche. 11 Policlinico. Vol. IV. 1897. 17 S. 
Trotz der reichhaltigen Litteratur über Halluzinationen und Illusionen 
ist diejenige Spezies, die man hallucinations contraires, doppelte Stimme, 
und neuerdings hallucinations antagonistiques (Magnan und Séglas) be¬ 
nannt hat, zwar klinisch genügend, aber psychologisch wenig bekannt 
und nicht definiert und klassifiziert. Diese Lücke auszufüllen 
unternehmen die Verfasser, nachdem sie die wichtigsten hierher ge¬ 
hörigen Fälle aus der Litteratur angeführt haben, auf Grund einer Beihe 
(19) eigener Beobachtungen in der psychiatrischen Klinik zu Bom. 
Als antagonistisch gelten ihnen nur die Fälle, in denen 2 Halluzi¬ 
nationen sich schroff gegenüb erstehen, wie in Fall 1, wo die Kranke 
bald gut, bald schlecht von sich sprechen hörte, — nicht aber die 
Fälle, wo eine Halluzination einerseits mit einer besonderen Wahnidee 
oder dem Grundcharakter des Kranken kontrastiert. 
Die antagonistischen Sinnestäuschungen kommen nicht nur vor in 
dem rein halluzinatorischen Wahnsinn und bei der chronischen Ver¬ 
rücktheit, sondern auch in dem Ausgangsstadium, bei psychischer Schwäche, 
in degenerativen und melancholischen Zuständen, verschwinden aber 
zumeist in der Periode des reinen Verfolgungswahnes und in der typi-
        

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