Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
K. Starke: Über die Wirkung des Kokains und Hyoscins auf die psychomotorischen Zentren. Inaug.-Diss. Jena 1896. 40 S.
Person:
Schaefer
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit30220/2/
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Litteraturbericht. 
steigern kann. Ein ganz ähnliches Verhalten zeigt der Hund, und auch 
Kaninchen und Frösche reagieren auf subkutane Kokaininjektionen mit 
motorischer Erregung. Diese ist, wie Danini zeigte, die Folge einer 
Heizung der Medulla oblongata und, nach Beobachtungen von y. Anrep 
zu urteilen, auch der Beflexzentra des Bückenmarkes. Über den Ein- 
flufs des Kokains auf die psychomotorischen Zentren stellte zuerst 
Tumass spezielle Experimente an. Er bepinselte direkt die motorische 
Begion des freigelegten Hundehirns mit verschieden starken Kokain¬ 
lösungen und fand danach stets eine Herabsetzung der faradischen Beiz- 
barkeit. Spritzte er das Kokain den Hunden ein, so folgte eine bis zu 
Krämpfen erhöhte Muskelthätigkeit, aber eben auf Grund gröfserer 
Beizbarkeit der niederen Zentra, nicht der Binde. Starke hat nun die¬ 
selben Versuche an Kaninchen wiederholt. Das Kaninchen verhält sich 
gegen Kokaineinspritzungen wie der Hund; nur ist es etwas weniger 
empfindlich gegen das Gift. Die Bepinselung der noch von der Pia mater 
überzogenen Cortex hat meist vermehrte Erregbarkeit zur Folge, zu¬ 
weilen verminderte. Kommt das Kokain nach einer Verletzung der Pia 
direkt mit der grauen Substanz in Berührung, so sinkt stets deren Beiz¬ 
barkeit beträchtlich. — Von Hyoscin sah Verfasser, ebenso wie vorher 
Kobert, keinerlei Wirkung auf die psychomotorischen Zentra. 
Schaefer (Bostock). 
E. Belmondo. Contribute critico e sperimentale alio studio dei rapporti 
tra le funzioni cerebrali e il ricambio. Biv. sperim. di freniatria. 
Vol. XXII (4). S. 657—748. 1896. 
Es giebt auch in dem Gebiete der heutigen Hirnphysiologie gewisse 
Glaubenssätze, die als sogenannte Wahrheiten von Mund zu Mund und 
von Geschlecht zu Geschlecht sich fortpflanzen und nichts weniger als 
gewifs sind. Derartig ist beispielsweise die (schon wieder veraltete) 
Phrase, dafs die Psyche ein Absonderungsprodukt des Hirnes, ähnlich 
wie die Galle Produkt der Leber sei, oder besser, dafs die Geistes¬ 
funktionen, Wahrnehmungen, Gefühle und Willen Äufserungen einer 
wirklichen Hirnarbeit seien. Arbeit setzt, nach dem Gesetz der Er¬ 
haltung der Kraft, in dem tierischen Organismus den Umsatz der 
Nahrungsmittel, die Oxydierung der Bestandteile, die Entwickelung von 
Wärme, von Bewegung mannigfaltigster Art im Nervensystem voraus. 
Mit der Frage, ob dergleichen Vorgänge beim Denken u. s. w., die man 
für die vorausgesetzte Hirnarbeit hält, wirklich stattfinden, beginnt der 
Verfasser den ersten kritischen Teil seiner Arbeit, in welchem er nach¬ 
zuweisen sucht, dafs die zahlreichen Untersuchungen über die Wärme¬ 
entwickelung im Gehirn grofsenteils verfehlt, zum Teil mit ungenügenden 
Mitteln angestellt worden sind. Aus den zuverlässigsten gehe hervor, 
dafs die geistige Thätigkeit von einer erheblichen Wärmeentwicke¬ 
lung nicht begleitet sei. Mosso hat sogar Abkühlung dabei beobachtet. 
Ebenso stimmen die neuesten Forscher bezüglich des Stoffwechsels 
dahin überein, dafs keine der Äufserungen des psychischen 
Lebens eine — durch unsere bisherigen Mittel — nachweisliche 
Spur hinterlasse. Was man dafür angesehen hat, beruht auf (Muskel-) 
Bewegungen.
        

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