Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Ursachen der Differenzen zwischen wirklicher und scheinbarer Körpergröße
Person:
Hofbauer, Ludwig
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit30216/6/
Differenzen zwischen wirklicher und scheinbarer Körpergröfse. 211 
dafs sie eine unangenehme Wirkung verursachen, sondern dafs 
auch die menschliche Form dadurch eine Gröfse, die letzte 
Vollkommenheit in Ansehung des Verhältnisses, bekömmt, 
welche offenbar an dem Apollo ausgedrückt ist, und noch ferner 
durch Untersuchung der Zeichnungen des Parmigiano, in welchen 
diese Besonderheiten im Übermafse zu sehen sind, bekräftigt 
werden kann. Doch sagen um deswegen alle ächte Kenner, 
dafs in seinen Werken eine nicht auszudrückende Gröfse des 
Geschmackes herrschet, ob sie gleich übrigens sehr unrichtig sind.“ 
Ebenso läfst Albrecht Dürer1 bei den Gestalten, die er 
im Hochwuchs darstellen will, den Hals länger werden, indem 
er die Schulter tiefer setzt, mithin auf Kosten des Kumpfes. 
Auch in betreff dieser Proportion zwischen Hals und Stamm 
läfst sich unschwer der Beweis erbringen, dafs ihre Verände¬ 
rungen ebenso wie die des Verhältnisses zwischen Kumpf und 
unteren Extremitäten ihren Einflufs auf die virtuelle Gröfse 
einer optischen Täuschung verdanken und zwar an der Hand 
der durch folgende Konstruktion erhaltenen Figuren: 
Man zeichne ein Parallelogramm, dessen Breitendurch¬ 
messer den Höhendurchmesser bedeutend übertrifft, und in nicht 
zu geringer Entfernung davon ein zweites, welches bei gleicher 
Breite sich von dem ersten durch seine bedeutendere Höhe 
unterscheidet. Auf jedes dieser beiden Parallelogramme wird 
ein schmales Kechteck von gleicher Breite aufgesetzt. Von 
diesen beiden übertrifft das auf das niedrigere Parallelogramm 
aufgesetzte um ebenso viel an Höhe das auf das höhere 
Parallelogramm aufgesetzte Kechteck, als ersteres gröfser ist 
als das niedrigere Parallogramm, so dafs die Gesamthöhe der 
beiden Figuren, die nunmehr schwarz angelegt werden, voll¬ 
kommen gleich ist. 
Trotzdem erscheint bei Vergleich derselben die Figur mit 
dem höheren, aufgesetzten Kechteck um ein Beträchtliches 
höher als die andere, welche ein höheres Parallelogramm zur 
Basis hat, was aber beweist, dafs auch die durch Verlänge¬ 
rung des Halses bedingte, virtuelle Vergröfserung der mensch¬ 
lichen Figur Wirkung einer optischen Täuschung ist. 
Aus all dem Erwähnten läfst sich aber wohl mit Sicher¬ 
heit der Schlufs ziehen: 
1 „Vier Bücher von menschlicher Proportion.“ 
14*
        

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