Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Féré: La main, la préhension et le toucher. Rev. philos. Bd. 41. S. 621 bis 636. 1896. No. 6
Person:
Brahn, Max
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit30184/1/
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Darstellung der KxNTischen sowie der folgenden spekulativen Psycho¬ 
logie wohl gelungen. In den schwierigsten, die letzten Jahrzehnte (von 
Hbrbart-Bbnbke bis auf die Gegenwart) behandelnden Teilen sind die 
mannigfaltigen Strömungen in ihrer Bedeutung, ihrem Werte, ihrem In- 
einandergreifen treffend und, was besonders hervorzuheben, mit völligst 
Objektivität charakterisiert; auch das Ausland kommt zu seinem Hechte. 
Das Werkchen ist — womit übrigens kein Tadel ausgesprochen 
sein soll — mehr eine Geschichte der psychologischen Systeme, als eine 
solche der psychologischen Forschung; bei der gebotenen Gedrängtheit 
der Darstellung war Verfasser natürlich nicht in der Lage, Rücksicht 
zu nehmen auf die zahlreichen, oft höchst wertvollen Beiträge zu psycho¬ 
logischen Teilgebieten, die sich in anders tendenzierten Untersuchungen, 
namentlich staats-, sprach-, religionsphilosophischen, ethischen und 
ästhetischen finden. Die wesentlichsten Beiträge von der medizinischen 
Seite her sind zur Besprechung gekommen. W. Stern (Breslau). 
Féré. La main, la préhension et le toucher. Rev. philos. Bd. 41. S. 621 
bis 636. 1896. No. 6. 
Die Morphologie der oberen Extremität steht in Beziehungen sn 
den geistigen Leistungen des Individuums. Teils stellen sich groise 
individuelle Differenzen heraus, die mit den geistigen Fähigkeiten des 
Individuums im Zusammenhang stehen, teils zeigen die morphologischen 
Bildungen, besonders der Hand, im allgemeinen bestimmte Anpassungen 
zu dem Gebrauche derselben als Sinnesorgan. Die Rotationsfähigkeit 
des Vorderarms beträgt bei den Affen 90—140°/*, beim Menschen 180V*, 
wobei groise Abweichungen vorhanden sind: bei Idioten ist sie gleich 
Null, bei Epileptikern und Hysterikern gering, bei geistig begabten 
Menschen am gröfsten. Ebenso zeigt die Energie der Hand sich am 
Dynamometer bei Handarbeitern geringer als bei Kunstarbeitern, am 
gröfsten häufig bei Männern freier Berufe. Die Energie, Schnelligkeit 
und Genauigkeit der Bewegung steht in direktem Verhältnis zur geistigen 
Entwickelung. Die Muskeln seien bei Geistesarbeitern unbewufst stets 
in Bewegung, „Geistesarbeit ist eine körperliche Übung, sie hat alle 
Folgen der Körperarbeit.“ Diese Ansicht wird für die verschiedenen 
Formen der Bewegung durchgeführt, für Beugung, Extension, Opposition. 
Diese letztere hat eine besondere Bedeutung dadurch, dafs sie die für 
die Tastempfindung wichtigen Fingerbeeren gegeneinander neigt. Die 
Tastfähigkeit der Fingerbeeren aber hängt in hohem Mafse von der 
Verteilung der Papillenriflfe auf ihnen ab. Die beweglichsten Finger, 
Daumen und Zeigefinger, zeigen nämlich die gröfste Verschiedenheit in 
der Form der Riffe. Ferner ist diese Verschiedenheit um so gröfser, je 
höher das Individuum organisiert ist. Für die Raumsohwelle zeigt die 
Anordnung der Leistchen ihre Bedeutung darin, dafs die Schwelle kleiner 
ist, wenn zwei verschiedene Leisten berührt werden, als wenn eine ein¬ 
zige ihrer Länge nach berührt wird. In diesen günstigsten Verhältnissen 
findet aber die wichtige Berührung des Daumens mit den anderen 
Fingern statt Die Schmerzempfindung zeigt allerdings eine andere 
Lokalisation als die Berührungsempfindung. Im ganzen nimmt die Be-
        

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