Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Raymond Dodge: Die motorischen Wortvorstellungen. Abhandlungen zur Philosophie und ihrer Geschichte. Herausgegeben von Benno Erdmann. VIII. Halle a. S. 1896. Max Niemeyer. 78 S.
Person:
Heller, Theodor
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit30173/1/
lichkeit, durch Erinnerung ihres Komplexes mit erinnert zu werden. 
Kommt aber ein Teilinhalt neben jenem gemeinsamen in mehreren 
Komplexen vor, so besteht für ihn entsprechend grössere Wahrschein¬ 
lichkeit, erinnert zu werden — Gesetz der Übung, ebenfalls eine Grund- 
thatsache. Diese Erklärung des Gesetzes der Übung liefse uns wohl be¬ 
greifen, warum ein oft gehabter Eindruck auch wieder oft uns in die 
Erinnerung kommt. Aber sie erklärt uns nicht, warum die Assoziationszeit 
mit wachsender Übung abnimmt, warum z. B. ein angesichts eines 
Gegenstandes wiederholt gehörtes Wort uns rascher einfällt, als ein 
nur einmal gehörtes, eine Erscheinung, die als ein wichtiges, wenn nicht 
gar als das wichtigste Merkmal der Übung betrachtet werden darf. 
Dafür hat der Verfasser in der vorliegenden Abhandlung uns noch keinen 
Aufschlufs gegeben ; um so gespannter macht er uns, wie er in seiner 
demnächst erscheinenden ausführlicheren Untersuchung über das in Bede 
stehende Problem auch diese Frage rein psychologisch lösen wird. 
M. Offner (München). 
Raymond Dodge. Die motorischen Wortvorstellungen. Abhandlungen rur 
Philosophie und ihrer Geschichte Herausgegeben von Benno Erdmann. 
VIII. Halle a S. 1896. Max Niemeyer. 78 S. 
Stricker hat in seinen „Studien über die Sprachvorstcllungenu den ersten 
Versuch gemacht, die motorischen Wortvorstellungen genauer zu be¬ 
schreiben. Hierbei ergab sich eine Fülle wichtiger und interessanter 
Beobachtungen, deren Wert unbestritten bleibt, auch wenn man den 
Verallgemeinerungen Strickers namentlich in Bezug auf die Aphasie- 
lehre nicht im ganzen Umfange beipflichten kann. 
Durch Strickkrs Arbeit angeregt, hat es der Verfasser unternommen, 
seine Wortvorstellungen einer genauen Analyse zu unterziehen. Die¬ 
selben wurden zunächst „beim lautlosen Sprechen ohne wirkliche Be¬ 
wegung der Sprachorgane“ beobachtet. Auf Grund der Ergebnisse dieser 
Untersuchung kann Verfasser die Behauptung Strickers, dafs die mo¬ 
torischen Wortvorstellungen aus dem Bewufstwerden oder dem Gefühle 
motorischer Impulse bestehen, nicht bestätigen. Abgesehen von der 
Frage, ob man überhaupt berechtigt ist, besondere „Innervationsgefühle* 
anzunehmen, ergiebt sich schon aus Strickers eigener Analyse, dafs auch 
seine Vorstellungen von Lauten Tastelemente enthalten. Aus den Beob¬ 
achtungen des Verfassers geht gleichfalls hervor, dafs Berührungs- und 
Druckempfindungen der Zunge und der Lippen — beim lautlosen Sprechen 
Reproduktionen derselben — Elemente der Wortvorstellungen sind. Die 
Bewegungs- und Tastvorstellungen sind jedoch an und für sich noch 
keine Lautvorstellungen. Als ein weiteres Moment tritt „eine Art un- 
lokali8ierter, abgeblafster, akustischer Vorstellungen“ hinzu, welche vom 
Verfasser nur ausnahmsweise deutlich reproduziert werden, bei einem 
anderen Beobachter jedoch zur vollsten Selbständigkeit gelangten. Eine 
gewisse Bedeutung erlangen auch optische Elemente namentlich bei der 
Vorstellung von Zahlen. Reproduktionen der Schreibbewegungsvor¬ 
stellungen werden beim gewöhnlichen Wortvorstellen niemals bewuist.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.