Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Anton Bum: Über periphere und zentrale Ermüdung. Vortrag, gehalten in der Sitzung vom 20. November 1896 der k. k. Gesellschaft der Ärzte in Wien. Wien. med. Presse. XXXVII. Jahrg. 1896. No. 48. 6 S.
Person:
Heller, Theodor
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit30170/1/
Litteraturberich t. 
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es bei allen Menschen. Was im Unterbewufstsein vor sich geht, wird 
gröfstenteils vergessen (Trauminhalt). Wir müssen also auch solchen 
Thätigkeiten, die niemals unserem Subjekt im Wachzustand bewufst 
werden, ein, wenn auch nur untergeordnetes Bewufstsein zuerkennen 
(Rückenmark, Oblongata etc). Forel fafst eben das Bewufstsein auf „als 
den vollständig bereinigten Begriff der inneren Anschauung des Sub¬ 
jektivismus, aus welchem nichts übrig bleibt, wenn der Inhalt entfernt 
wird.“ Man kann ebenso wenig sagen, dafs eine Gehirnthätigkeit un¬ 
bewusst ist, als wie lange und wie viel man geträumt hat! — 
Bmpfenbach (Bonn). 
Anton Bum. Über periphere und zentrale Ermüdung. Vortrag, gehalten 
in der Sitzung vom 20. November 189G der k. k. Gesellschaft der Ärzte 
in Wien. Wien. med. Fresse. XXXVII. Jahrg. 1896. No. 48. 6 S. 
Die gerechtfertigten Bedenken, welche Kraepelin, Griesbach, 
A. Eulenburg, C. Künn u. A. gegen die in Deutschland und Österreich 
beliebte Durchführung der körperlichen Übungen der Schuljugend er¬ 
hoben hatten, und die Erfahrung, dafs die durch den Unterricht ver- 
anlafste Ermüdung des Zentralnervensystems durch nachfolgende Muskel¬ 
anstrengung nicht beseitigt, sondern gesteigert wird, haben den Verfasser 
veranlafst, nach den von Mosso und seinen Schülern ausgebildeten 
Methoden die Verhältnisse der peripheren und zentralen Ermüdung ge¬ 
nauer zu untersuchen. 
Die ersteVersuchsreihe galt zunächst der Ermittelung der typisch en 
Ermtidungskurven für im physiologischen Zustand befindliche, gut aus¬ 
geruhte Individuen mittelst des Mossoschen Ergographen. Die hierauf 
von denselben Versuchspersonen nach mehrstündiger geistiger Arbeit 
gewonnenen Kurven zeigten den ersteren gegenüber bemerkenswerte 
Differenzen, welche auf eine erhebliche Abnahme der in Kilogramm- 
metern mefsbaren Arbeitsleistung hinwiesen. 
Die zweit© Versuchsreihe stellte den Einfiufs aktiver Muskel¬ 
bewegungen nach Art des „deutschen Turnens“ auf die erstgewonnene 
Ermüdungskurve fest. Die auf diese Weise erzielten Modifikationen der 
typischen Ermüdungskurven stimmten im wesentlichen mit jenen Ver¬ 
änderungen überein, welche durch ausschliefsliche geistige Arbeit ver¬ 
anlafst waren. 
Die Frage, ob di© Ermüdung der Nervenzentren oder di© periphere 
Muskelermüdung die Ursache der Kurvenalteration sei, entschied der 
Verfasser durch eine dritte Versuchsreihe. Da bei jeder Be¬ 
wegung zwei Momente in Betracht kommen, „der Wille und sein Sklave, 
der Muskel“, so liefs Mosso, um zeitweise die Mitwirkung des Willens 
auszuschliefsen, Ermüdungskurven mit tetanisiertem Flexor sublimis 
schreiben, die den willkürlich geschriebenen Kurven ähnlich waren. Bei 
dem Wechsel von unwillkürlicher und willkürlicher Kontraktion zeigte 
sich, dafs in dem bis zur Erschöpfung tetanisierten Muskel noch ein 
Rest von Energie verbleibt, den der Wille ausnützt, und umgekehrt vom 
Willen ein Rest von Muskelkraft hinterlassen wird, den der elektrische 
Strom in Thätigkeit umsetzt. Wird der Versuch derart angeordnet, „dafs
        

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