Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
C. S. Freund: Über psychische Lähmungen. Neurol. Centralbl. XIV. No. 21. S. 938-946. 1895
Person:
Fraenkel
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit30091/1/
Litteraturbericht. 
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Prinzips der Psychogenese zu lösen. Der Mensch, handelt erstens nach freier 
Wahl, und Wahl schliefst Selbstbestimmung in sich. Zum anderen aber 
ist das wählende Individuum infolge des Einflusses von Vererbung und 
Milieu mechanischen Gesetzen unterworfen. Diese Gegensätze sind nur 
durch die Anwendung des erwähnten Prinzips vereinbar. Die Seele ist 
„ein selbstthätiges Prinzip, dessen Gesetz Entwickelung eines selbst- 
bewufsten und selbstbestimmenden Lebens von der blofsen Potentialität 
zur Aktualität ist“. Alle seelische Thätigkeit ist im wesentlichen teleo¬ 
logischer Natur, und von diesem Gesichtspunkte aus ist der genannte 
Mechanismus nur das zweckmäfsige Mittel der selbstbestimmenden Seele. 
Friedrich Kiesow. 
C. S. Freund. Über psychische Lähmungen. Neurol Centralbl. XIV. No. 21. 
S. 938—946. 1895. 
Die Bezeichnung psychische Lähmung ist für viele Fälle von 
sog. funktioneller, resp. dynamischer Lähmung zutreffender, als die 
„hysterische Lähmung“, die zwar auch eine psychische ist, bei der es 
sich aber nicht um intellektuelle Störung, sondern um abnorme Reizbar¬ 
keit und jähen Stimmungswechsel handelt, hinter welchen Zuständen 
— „dem eigentlichen Wesen der Hysterie — eine unbegrenzte Zahl 
körperlicher Erscheinungen sich verbirgt“. 
„Die psychische Lähmung ist eine zentrale und als solche eine 
Lähmung bestimmter Bewegungsformen, aber nicht einzelner Muskeln“ 
— wobei die Bewegungen in der Form ausfallen, wie sie durch die Er¬ 
fahrung erworben wurden. — Willkürliche Bewegungen sind eben nichts 
anderes, als der äufsere Ausdruck gewisser Vorstellungen, d. h. Er¬ 
fahrungen. 
Bezüglich der Erwerbung der letzteren folgt Verfasser der Dar¬ 
stellung von H. Sachs ÇBau und Thätigkeit des Grofshirns u. s. w. 1893) von 
der Assoziation der „Rindeneinheiten“ und dessen Gesetz von der 
konstanten Menge der psychischen Energie, dem auch die 
Bewegungs vor Stellungen unterstehen, als Glieder jener unzähligen 
Assoziationsketten, wTelche die verschiedenen Teile unseres Gehirns ver¬ 
binden. (Lediglich der Assoziation dienende Felder giebt es, beiläufig 
gesagt, nicht). — Ist die Beeinflussung der Bewegungsvorstbllung, d. h. 
der ihr zu Grunde liegenden assoziativen Verbindungen eine genügend 
kräftige, so fliefst eine Erregung in die körperwärts ziehenden Nerven¬ 
fasern ab, und es kommt zur thatsächlichen Auslösung der betreffenden 
Bewegung, — Durch Hemmung im Bereich der Assoziationsbahn, durch 
ungünstige Verteilung des begrenzten Vorrates psychischer Energie 
können Bewegungen unterbleiben und dementsprechend auch dauernde 
psychische Lähmungen sich entwickeln. 
Bei anderen Lähmungsformen handelt es sich um den Ausfall 
anatomisch vorgebildeter Bewegungsmechanismen. 
Die lokalisierte psychische Lähmung kommt auf demselben Wege 
zu stände, wie der Erwerb der Vorstellung, also auf einer „ausgeschliffenen“
        

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