Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Adalbert Lehfeld: Die Gehörübungen in der Taubstummenschule nach dem System von Professor Dr. Urbantschitsch. Wien. Selbstverlag. In Kommission bei A. Pichlers Witwe & Sohn. 1895. 46 S.
Person:
Heller, Theodor
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit30080/1/
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Litteraturbericht. 
er niclit mit Sicherheit entscheiden, meint aber, sie liege ein wenig näher 
am tieferen. Auch fand M., dafs die Resultanten von zwei Summen 
von je fünf Tönen ein rein klingendes Intervall einer Quinte, Quarte 
oder Terz gaben, wenn die Töne der einzelnen Summen um die reinen 
Intervalltöne herumlagen. Ich habe die Versuche wiederholt und finde 
sie durchaus bestätigt. Max Meyer (Berlin). 
Ch. V. Burton, Some Acoustical Experiments. (I. Subjective Lowering 
of Pitch. II. Objective Demonstration of Combination-Tones.) Philos. 
Mag. Bd. 39. No. 240. S. 447—453. 1895. 
B. sucht die bekannte Thatsache, dafs der Ton einer stark tönenden 
Stimmgabel bis zu einem halben Ton — bei tiefen Tönen bis zu einer 
kleinen Terz — tiefer gehört wird, als wenn die Gabel leise tönt, durch 
mathematische Ableitung auf Grund einiger allerdings etwas willkürlichen 
Voraussetzungen zu erklären. Nach B.’s Theorie würden bei starken 
objektiven Tönen nicht — nach Helmholtz — entsprechende, sondern 
tiefer abgestimmte Teile der Basilarmembran die stärkste Resonanz 
zeigen. Interessant ist die Bemerkung, dafs ein Schwerhöriger bei starkem 
Tönen einer Gabel abweichend vom gewöhnlichen Verhalten einen höheren 
Ton hörte. 
Im zweiten Teile glaubt B. das objektive Vorhandensein eines 
Differenztones im Lufträume daraus erschliefsen zu müssen, dafs 
der in einiger Entfernung von zwei tönenden gedackten Pfeifen e‘ und g* 
befindliche Beobachter den Differenzton C stärker hörte, wenn die beiden 
Pfeifen ganz nahe bei einander, schwächer, wenn sie etwas voneinander 
entfernt waren; er giebt jedoch selber an, dafs er diese Beobachtung in 
anderen Fällen nicht bestätigt fand. Max Meyer (Berlin). 
Adalbert Lehfeld. Die O-eliöriibuEgen, in der Taubstummenscliule nach 
dem System des Professor Br„ Uebantsohitsch. Wien. Selbstverlag. 
In Kommission bei A. Pichlers Witwe & Sohn. 1895. 46 S. 
Der Verfasser, einer der bewährtesten Praktiker auf dem Gebiete 
des Taubstummenunterrichtes, hat sich in dieser Arbeit die Aufgabe ge¬ 
stellt, den vielfach in den Kreisen der Taubstummenlehrer gegen die 
Hörübungen von Uebantsohitsch herrschenden Vorurteilen zu begegnen. 
Der Verfasser selbst, ferner J. Vatter in Frankfurt a. M., Hemmes in 
Bensheim (Hessen) und die Taubstummenanstalt in Bourg la Reine bei 
Paris haben schon in früherer Zeit auf die Notwendigkeit hingewiesen, 
das bei Taubstummen etwa noch vorhandene schwache Gehör durch 
methodische Übungen zu stärken. Urbantschitschs Verdienst besteht 
vor allem darin, dafs er seine Versuche auf bisher für total taub ge¬ 
haltene Personen ausdehnte. Verfasser bezeichnet die Hörübungen als 
einen Sieg der Lautsprachmethode und betont, „dafs die akustischen 
Übungen in die Taubstummenschule gehören und als ein ständiger Unter¬ 
richtszweig zu gelten haben“. Die Bedenken, welche von Taubstummen¬ 
lehrern gegen die methodischen Hörübungen geäufsert wurden, sind zum 
Teil so kleinlicher Art, dafs dieselben kaum als stichhaltig angesehen 
werden können. Sehr bedauerlich ist die Thatsache, dafs viele Taub-
        

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