Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
P. Amaldi: Due casi di atrofia parziale del Cervelletto. Riv. di. Freniatr. XXI. 2-3. S. 203-248. 1895
Person:
Fraenkel
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit30071/1/
Litteraüirbericht. 
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zuziehen vermochte. Ein analoger Fall ist das berühmte Unikum der 
Alexandrine Labrosse, die, 105/i2 Jahre alt, einem G-astro-Intestinal- 
leiden erlag, epileptisch war und hei der das ganze Kleinhirn, die 
Brücke und der vierte Ventrikel fehlten. (S. Nothnaoel, Topische 
Diagnostik 1879.) Auch hier waren die Sinnesfunktionen immer normal, 
die Sensibilität ungestört, die Intelligenz sehr beschränkt, bei verhältnis- 
mäfsig sehr grofsem G-rofshirn. 
2. Dafs die sonst für Kleinhirnleiden charakteristischen Er¬ 
scheinungen: Erbrechen, Schwindel, Schielen, fehlten, ist nicht auffällig, 
da sie nur bei Druck und Reiz er scheinungen des Kleinhirns auftreten. 
Ebensowenig, dafs die Patientin selten und dann nicht nach einer be¬ 
stimmten Richtung fiel, da beide Kleinhirnhälften gleichmäfsig aufser 
Thätigkeit waren. Das spricht also nicht wider Lucianis Lehre von dem 
verstärkenden Einflüsse der direkt, also ungekreuzt, auf die 
motorischen Zentren des Grofshirns wirkenden Kleinhirnhemisphären. 
3. Dafs die charakteristischen Erscheinungen der sog. Ataxie — die 
Luciani in ihre Bestandteile Asthenie, Atonie und Astasie zerlegt —, all¬ 
gemeiner Tremor, Stottern, Haltlosigkeit im Stehen und Gehen (wie 
bei der Labrosse) vorhanden waren. — Der Verfasser macht für die¬ 
selben nicht sowohl die Zerstörung der PuRKiNJESchen Zellen, als 
vorzugsweise die der „molekulären“ und „nuklearen“ Schichten der 
grauen Substanz verantwortlich. 
4. Das einzig Auffällige an der ganzen Geschichte ist das Miss¬ 
verhältnis des bedeutenden Intelligenzdefektes zu den scheinbar gering¬ 
fügigen Läsionen des Grofshirns. Möglicherweise hätte die (unterlassene) 
mikroskopische Untersuchung des letzteren den näheren Aufschlufs 
gegeben, ohne dafs man die GowERSche Hypothese von einem direkten 
psychischen Einflufs des Kleinhirns anzunehmen braucht. 
Fraekkel (Dessau). 
P. Amaldi. Due casi di atrofia parziale del Cervelletto. Biv. di. Freniatr. 
XXI. 2—3. S. 203—248. 1895. 
Beide in anatomischer Beziehung sich sehr ähnliche Fälle von 
partieller Atrophie des Kleinhirns gleichen sich auch darin, dafs 
sie für die Symptomatologie der Kleinhirnkrankheiten von keinerlei 
Belang sind. In Fall I, bei einer hereditär belasteten, von Haus aus 
schwachsinnigen Frau, die an maniakalischen Insulten litt und im Alter 
von 41 Jahren an Uterinkrebs verstarb, beruht die Atrophie der linken 
Kleinhirnhemisphäre — die fast um die Hälfte kleiner als die rechte ist 
— offenbar auf Entwickelungshemmung; in Fall II, bei einem 
34 Jahre alten, hochgradig Schwachsinnigen mit Makrokephalie, 
Amblyopie, Taubheit und Epilepsie, auf Entzündung und Abscefs- 
bildung im zweiten Lebensjahre. Das Gehirn der Frau wog 1155 g, der 
rechte Kleinhirnlappen 45 g, der linke 19 g, der Wurm 12 g, das Gehirn 
des Mannes 1220 g. Bei letzterem waren die Schädelwände bedeutend 
verdickt, ebenso die Häute, rechts Pachymeningitis hämorrhag. interna, 
links chronische Leptomeningitis, die rechte Grofshirij. hemisphere um 
1V'2 cm kürzer als die linke, die "Ventrikel mit (200 g) Liquor geiüllt^
        

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