Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ludwig Mann: Über den Lähmungstypus bei der cerebralen Hemiplegie. Samml. klin. Vortr. von Volkmann. No. 132. 1895
Person:
Liepmann
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit30069/1/
Litteraturbericht. 
453 
Ludwig Mann. Über den Lähmungstypus bei der cerebralen Hemiplegie. 
Samml. Min. Vortr. von Volkmann. No. 132. 1895. 
Wernicke batte 1889 die wichtige Beobachtung veröffentlicht, dafs 
bei der hemiplegischen Beinlähmung die zuerst das ganze Bein befallende 
Lähmung sich fast stets im weiteren Verlauf auf bestimmte Muskel¬ 
gruppen zurückzieht. Diese „Prädilektionsmuskeln“ sind die Beuger des 
Unterschenkels und die Dorsalflexoren des Fufses. 
Mann hat nun ein ähnliches Verhältnis für die obere Extremität ge¬ 
funden. Und zwar bemerkte er, dafs die vorzüglich und dauernd von der 
Lähmung betroffenen Muskeln der Schulter und des Armes gerade die¬ 
jenigen sind, welche funktionell zusammen arbeiten bei Auswärtsrollung 
des Armes und Öffnung der Hand. Dagegen bleiben intakt diejenigen der 
Einwärtsrollung des Armes und des Handschlusses. 
Nun weist Mann darauf hin, dafs auch die WERNiCKESchen Prädi¬ 
lektionsmuskeln des Beines einen funktionell zusammengehörigen Muskel¬ 
komplex bilden, nämlich den, welcher die Verkürzung des Beines 
zu stände bringt, während der mit der Verkürzung beim Gehen 
alternierende Akt der Verlängerung des Beines gerade durch die erhal¬ 
tenen Muskeln besorgt wird. Auf Grund von beiden Befunden gelangt 
Mann zur Aufstellung von 'folgendem Gesetz: „Die Hemiplegie lähmt 
nicht einzelne Muskeln, sondern ganze Muskelmechanismen, d. h. 
funktionell zusammengehörige, eine physiologische Bewegungseinheit 
darstellende Muskelkomplexe. Und zwar giebt es ganz bestimmte 
solche Mechanismen, welche in der überwiegenden Zahl der Fälle dauernd 
gelähmt sind, und andere, welche vollständig intakt bleiben.“ 
Für dieses theoretisch ebenso bedeutsame, wie diagnostisch ver¬ 
wertbare Verhalten stellt Verfasser einen Erklärungsversuch in Aussicht. 
Liepmann (Breslau). 
Hubert Bond. Atrophy and Sclerosis of the Cerebellum. Journ. of Ment. 
Science. Bd. 41. No. 174. S. 409—420. 1895. 
Den Fall von Kleinhirn-Atr o phie und Sklerose, den der Ver¬ 
fasser vorträgt, hält derselbe darum für so bemerkenswert, weil er den 
verschiedenen Meinungen über die Funktionen des Kleinhirns widerspricht, 
weshalb Verf. auch die aus den neueren Tierversuchen (Lucianis, Ferriers) 
gewonnenen Ergebnisse nicht in allem für anwendbar auf das Hirn des 
Menschen erachtet. Der Fall betrifft eine Person, die seit ihrem 7. Jahre 
geistig und leiblich schwach, niemals an Epilepsie gelitten hat, im 
32. Jahre in eine Blödenanstalt aufgenommen, aufser einer beträchtlichen 
Gehstörung und Geistesschwäche keinerlei Beschwerden in den 
Respirations-, Zirkulations- und Unterleibsorganen finden läfst. Von da 
ab (1872) bis zu dem an Phthisis (1894) erfolgten Tode werden folgende 
Aufzeichnungen aus der Krankengeschichte hervorgehoben: 
März 1873: Sprache stammelnd. Januar 1876: Patientin so hülflos, 
dafs sie auf ihre eigenen Bedürfnisse nicht achtet, stupid. Januar 1878: 
Allgemeiner Tremor. Gang und Schlingbewegungen beeinträchtigt. 
Sprache stockend.. Ruhelos, teilnamlos. Näht ein wenig; ist jetzt rein¬ 
lich. — In den nächsten 10 Jahren bisweilen tobsüchtig erregt und
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.