Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
1. E. Riecke: Lehrbuch der Experimentalphysik. 1. Band: Mechanik, Akustik, Optik. XVI u. 418 S. mit 368 Textfiguren. Leipzig 1896. Veit & Co. / 2. E. Blasius: Physikalische Übungen für Mediziner. IX u. 238 S. mit 65 Abb. Leipzig 1895. S. Hirzel.
Person:
König, Arthur
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit30065/1/
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Litter a turbericht. 
manches an den SiMMELSchen Ausführungen lebhafte Anfechtungen er¬ 
fahren. Da hier nicht der Ort zu einer ausführlicheren Auseinander¬ 
setzung ist, so seien nur kurz folgende Bedenken angedeutet: 1. Wenn 
zugleich die nützliche Vorstellung die wahrheitsschaffende ist, woher 
kam der Mensch überhaupt zu einer Scheidung der beiden Begriffe? 
Zudem gilt durchaus nicht jede nützliche Vorstellung als wahr, und es 
hätte dem SiMMELSchen Satze zum mindesten die KANTSche Formulierung 
gegeben werden müssen: Ich bilde den Begriff der Wahrheit so, dafs die 
„wahr“ genannte Vorstellung Ursache einer allgemeinen Nützlichkeit 
sein müsse. 2. So richtig der psychologische Grundgedanke ist, so wenig 
ist es doch zulässig, in der Nützlichkeit den einzigen Quell des 
Wahrheitsbegriffes sehen zu wollen und daraufhin sich berechtigt zu 
glauben, die Annahme einer objektiven Realität anzuzweifeln. Die 
Nützlichkeit ist nur ein Motiv unter vielen, auf Grund deren wir Vor¬ 
stellungen objektivieren, ich nenne hier als weitere nur ganz kurz: den 
Consensus omnium, die Scheidung zwischen dem nur singulär Erlebbaren 
(unserem Innenleben) und dem vielfältig Erlebbaren (den äufseren Ein¬ 
drücken), die Scheidung zwischen dem passiven In-sich-Aufnehmen oder 
Erleiden und der aktiven Selbstthätigkeit. W. Stern (Berlin). 
Queyrat. L’abstraction et son rôle dans l’éducation intellectuelle. Paris, 
Félix Alcan. 1895. 148 S. 
P. F. Thomas. La suggestion. Son rôle dans l’éducation. Paris. Félix 
Alcan. 1895. 
Diese beiden Arbeiten gehören zu der grofsen Zahl französischer 
Schriften, die einzelne psychologische Fragen in kurzer, durchsichtiger 
und gemeinverständlicher Weise behandeln und für die Pädagogik zu 
verwerten suchen. Der Name einer Monographie kommt ihnen jedoch 
nur in psychologischer Beziehung zu ; in pädagogischer Hinsicht sind sie 
dürftig zu nennen. Deutsche Schriften dieser Art haben ihre Stärke da, 
wo jene ihre schwächste Seite zeigen. Eine gröfsere Wechselwirkung 
zwischen deutscher und französischer psychologisch-pädagogischer Lit- 
teratur wäre in beiderlei Interesse sehr zu wünschen. 
Über den Inhalt der an erster Stelle genannten Schrift haben wir 
nichts Näheres zu bemerken. Was das Buch von Thomas anlangt, so 
scheint uns der Begriff der Suggestion etwas zu weit gefafst zu sein. 
Hier ist, wie z. B. bei Schmidkunz, so ziemlich alles Suggestion. Für den 
Pädagogen ist das am wertvollsten, was sich auf die Psychologie der 
Kinderlügen bezieht. Eine monographische Behandlung dieses Gegen¬ 
standes von demselben Verfasser wäre sehr zu wünschen. 
Ufer (Altenburg). 
1. E. Riecke. Lehrbuch der Experimentalphysik. 1. Band: Mechanik, 
Akustik, Optik. XVI u. 418 S. mit 368 Textfiguren. Leipzig 1896. 
Veit & Co. 
2. E. Blasius. Physikalische Übungen für Mediziner. IX u. 238 S. mit 
65 Abb. Leipzig 1895. S. Hirzel. 
Je mehr die Psychologie aus einer Wissenschaft, die nur am Schreib¬ 
tisch ihre Förderung findet, sich umgestaltet zu einer Wissenschaft,
        

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