Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Emile Boutroux: De l'idée de loi naturelle dans la science et la philosophie contemporaines. Paris, Lecène, Oudin & Co. u. F. Alcan. 1895. 143 S.
Person:
Kiesow, Karl
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit30052/1/
Litteraturbericht. 
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Maurel das Verhalten des Hörers zur Musik mit dem von Elsa zu 
Lohengrin. Sie mufs im inneren Herzen das Glück fühlen, das ihr in 
der mysteriösen Ankunft des Helden erblüht; in dem Momente, wo sie 
es erklärt und zergliedert haben will, hat sie es schon verloren. Wer 
Musik angemessen geniefsen will, mufs sie hören, nicht darüber sprechen 
und nicht lesen. Wem beim Hören das Herz nicht aufgeht, der ist nicht 
musikalisch. Wallaschek (London). 
Emile Boutroux. De l’idée de loi naturelle dans la science et la philo¬ 
sophie contemporaines. Paris, Lecène, Oudin & Oo. u. F. Alcan. 1895. 
143 S. 
Vorliegende Schrift, eine Eeihe von Vorlesungen, die an der Sor¬ 
bonne 1892—93 gehalten und zuerst in der JRevue des cours et des conférences 
veröffentlicht wurden, untersucht der Eeihe nach die von den einzelnen 
Wissenschaften aufgestellten Gesetze, um dann auf Grund der so ge¬ 
wonnenen Eesultate eine Antwort auf die Frage nach der Willensfreiheit 
geben zu können. Die Anwendung der Mathematik auf die Erfahrung 
bildet die Stütze des modernen Determinismus, indem erstere der Wissen¬ 
schaft den Charakter der Notwendigkeit, letztere den konkreten Inhalt 
liefert. Aber enthält bereits die Logik Elemente, die nicht vollständig 
auf Prinzipien a priori, d. h. auf unbeschränkte Gewifsheit zurück¬ 
zuführen sind, so ist dies noch mehr der Fall bei den mathematischen 
Gesetzen mit ihrem vom Verstand nicht fafsbaren Begriff der Unendlich¬ 
keit. Immer mehr neue Elemente führen die Gesetze der sog. exakten 
Wissenschaften ein, wie zunächst die der Mechanik, der Grundlage der 
übrigen, welche die nicht aus mathematischen Intuitionen ableitbare, 
empirische, konstante und regelmäfsige Abhängigkeit darthun. Bei den 
physikalischen Gesetzen ist wiederum neu und nicht zurückführ bar auf 
mechanische Gesetze die Qualität der Energie. Die Chemie basiert auf 
dem Postulat der relativen Stabilität der Körper. Der Eeflex, auf den 
die moderne Biologie alle physiologischen Phänomene zurückzuführen 
sucht, kann wegen des Charakters der Zweckmäfsigkeit nicht rein 
mechanisch erklärt werden, und der Begriff des Fortschritts und der 
Entwickelung ist unvereinbar mit dem Prinzip der Notwendigkeit, das 
die Unveränderlichkeit der Natur der Dinge aussagt. Machen alle diese 
Wissenschaften nur die mefsbaren Bewegungserscheinungen zum Gegen¬ 
stände ihrer Untersuchung, indem sie ganz von den Zuständen des 
Bewufstseins abstrahieren, so bleiben diese der Psychologie überlassen, 
über deren Entwickelung von Descartes bis Spencer, Helmholtz und 
Wtundt der Verfasser, analog der Behandlung der übrigen Wissenschaften, 
eine kritische Übersicht giebt, um daran eine Untersuchung über die 
philosophische Bedeutung der psychologischen Gesetze anzuknüpfen. 
Zwei Typen werden besonders unterschieden, der „ideologische“ (Berkeley, 
Hume, Stuart Mill), der das Prinzip der nach Assoziationsgesetzen sich 
verbindenden Vorstellungsatome aufstellt, und der „physische“ (zuerst 
bei Descartes, dann bei Bain, Spencer, Fechner, Wundt), der die Seele in 
ihrer Beziehung zum Organismus betrachtet. Beide sind nach dem Ver¬ 
fasser unzureichend, notwendige Gesetze aufzustellen. Die sog. Eeaktionen
        

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