Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A. Binet et J. Courtier: Recherches graphiques sur la musique. Rev. scient. 6. juillet 1895. 4° ser. Tome 4. S. 5-15
Person:
Wallaschek
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit30043/1/
iÂtteraturbericht. 
305 
Labyrintherkrankungen —, Sprachtaubbeit bei relativ intaktem Hör¬ 
vermögen veranlafst werden kann.“ Damit will Verfasser nickt in Ab¬ 
rede stellen, dafs die sog. subkortikale sensorische Aphasie auch durch 
cerebrale Veränderungen bedingt sein kann. Die veranlassende Läsion 
ist jedoch nicht an eine bestimmte Stelle der verschiedenen Abschnitte 
der Hörbahn gebunden; „sie kann im Gehirn, im Acusticusstamm oder 
im Labyrinth des inneren Ohres, ja sogar unter Umständen im Mittelohr 
lokalisiert sein und den gleichen Funktionsausfall veranlassen“. Die 
FuEUNDSche Theorie stützt sich auf acht eigene Beobachtungen und auf 
einen von Arnaud beschriebenen Fall, bei welchem jedoch eine gründ¬ 
liche Ohrenuntersuchung verabsäumt wurde. Freunds eigene Beob¬ 
achtungen zeichnen sich durch aufserordentliche Gründlichkeit und 
durch genaue otiatrische Angaben von seiten des Ohrenarztes 0. Brieger 
aus. Von besonderem Interesse ist die Beobachtung II, welche einen 
Patienten betrifft, der identisch ist mit dem sog. zweiten Falle von sub¬ 
kortikaler sensorischer Aphasie, der vor neun Jahren in einer kurzen 
Notiz von Wernicke veröffentlicht wurde. 
Aus dem Umstande, dafs bis vor drei Jahren blofs zwei Fälle von 
subkortikaler sensorischer Aphasie bekannt wurden, deren zweiter eben 
den von Freund neuerlich untersuchten Patienten Hentschel betrifft, 
dürfte sich die Bedeutung der FREUNDschen Untersuchung für die Auf¬ 
fassung der subkortikalen sensorischen Aphasie im allgemeinen zur Ge¬ 
nüge ergeben. Alle neun Beobachtungen stimmen darin überein, dafs 
die Patienten über intakte Wortbegriffe verfügen, hingegen aber das 
Verständnis für die gewöhnliche Unterhaltungssprache verloren haben. 
Sie besitzen ferner ein feines Gehör und Unterscheidungsvermögen für 
Geräusche und zumeist auch für Töne und Tonverhältnisse. Die Frage, 
ob es sich in den angeführten Fällen nicht vielleicht um cerebrale 
Veränderungen handelt, mufs Verfasser auf Grund genauer Erwägungen 
entschieden verneinen. Eine bei dem Patienten Hentschel im Anschlufs 
an ein Delirium potatorum aufgetretene rechtsseitige Hemiplegie erwies 
sich als ein accidentelles Symptom transitorischer Natur. Von Wichtig¬ 
keit für die FREUNDscke Theorie ist die Angabe von Mygind, dafs bei der 
Sektion Taubstummer pathologische Veränderungen im Zentralnerven¬ 
system sehr selten nachgewiesen wurden. Ein von Emil Redlich (Wien) dem 
Verfasser zur Verfügung gestellter Sektionsbefund, welcher thatsächlich 
eine Atrophie der beiden zentralen Hörfelder ergab, betrifft eine taub¬ 
stumme Idiotin. Bei den meisten Patienten sind ferner Gleichgewichts¬ 
störungen vorhanden, die nach der bekannten „Bogengangstheorie“ auf 
eine labyrinthöse Erkrankung hinweisen. Die FREUNDSche Theorie giebt 
einen Schlüssel zu der Thatsache, dafs durch die URBANTSCHiTSCHschen 
Hörübungen bei mit Hörresten begabten Taubstummen eine Besserung 
des Hörvermögens erzielt werden kann. Theodor Heller (Wien). 
A. Binet et J. Courtier. Recherches graphiques sur la musique. Rev. 
scient. 6. juillet 1895. 4° ser. Tome 4. S. 5—15. 
Die Verfasser haben einen Apparat konstruiert, der, mit den Tasten 
eines Klaviers in Verbindung gebracht, das Spiel des Pianisten graphisch 
Zeitschrift fur Psychologie XI. 20
        

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