Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bergemann: Gedächtnistheoretische Untersuchungen und mnemotechnische Spielereien im Altertum. Arch. f. Gesch. d. Philos. Neue Folge. Bd. I. S. 336-352 u. 484-497. 1895
Person:
Offner, M.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit30021/1/
Litter aturbericht. 
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Erklärung die Berührungsassoziation ausreicht. Kurz, alle Erscheinungen, 
welche man auf echte Ahnlichkeitsassoziation gründete, lassen sich 
ebensogut, ja besser aus der Berührungsassoziation begreifen, so dafs 
Verfasser zum gleichen Ergebnis kommt, wie James, Külpe, Münsterberg, 
Lehmann, Referent und Andere. Nur über die Kontrastassoziation hat er sich 
nicht geäufsert. Selbst für die Aufmerksamkeit gewinnt A. hieraus 
eine zureichende Erklärung, ohne dafs man, wie Wundt, einen ganz 
neuen Prozefs, die Apperzeption, einzuschieben braucht. 
Damit schliefst die interessante Untersuchung. Sie hätte freilich 
noch einmal überarbeitet und ausgefeilt werden sollen, dann wären 
die Begriffsbestimmungen deutlicher und schärfer, die Sprache klarer 
und sicherer und last not least der Druckfehler weniger. Das 
sind Dinge, welche die Wirkung der scharfsinnigen Arbeit, die nicht 
ohne Litteraturkenntnis — es fehlen allerdings Namen, wie Münsterberg, 
Lehmann, Eerri — geschrieben ist, merklich beeinträchtigen. Im grofsen 
und ganzen aber begrülst Referent die Untersuchung, um so mehr, als sie 
seine eigenen Resultate (Über die Grundformen der Vorstellungs¬ 
verbindungen.“ Philos. Monatsh. XXVIII. S. 385ff., 513 ff.) durchgängig 
bestätigen. M. Ofener (Aschaffenburg). 
Bergemann. Gedächtnis-theoretische Untersuchungen und mnemotechnische 
Spielereien im Altertum. Arch. f. Gesch. d. Philos. Neue Folge. Bd. I. 
S. 336—352 u. 481—497. 1895. 
Der Verfasser giebt uns hier einen Überblick über die antiken 
Gedächtnistheorien, die auch heute noch manches Interesse haben. Neues 
freilich findet sich kaum darin. Es sind die meist seit langem gesicherten 
Ansichten wieder zusammengestellt, ohne dafs der wissenschaftliche 
Zweck der Arbeit, etwa Kritik entgegenstehender Meinungen u. dergl., 
recht ersichtlich wäre. Dieser Umstand, sowie das in den allerbeschei¬ 
densten Grenzen bleibende Eingehen auf die Speziallitteratur und das 
Hereinziehen mit dem Thema nur in loserer Verbindung stehender Mo¬ 
mente, legen den Gedanken nahe, dafs der Verfasser sich ursprünglich 
an einen weiteren Leserkreis als denjenigen dieser Zeitschrift wenden 
wollte, schliefslich aber aus irgendwelchen Gründen seine übrigens ver¬ 
lässigen Untersuchungen hier veröffentlichte. 
Nach ein paar Worten über Parmenides und Diogenes von 
Apollonia giebt er eine übersichtliche Darstellung von Platos An¬ 
sichten. Warum allerdings bei Plato die pvrjprj mehr psychophysisch 
sein soll als die clvct[xvrjGig, ist nicht einzusehen. Es müfste denn die 
Fähigkeit psychophysischer sein als die entsprechende Thätigkeit. 
Hier hätte sich der Verfasser übrigens mit Windelband auseinandersetzen 
können, welcher (Geschichte der Philosophie im Altertum S. 277) pvrjprj 
schon hier als unwillkürliches, dvâfxvrjGtç als willkürliches Erinnern auf- 
fafst, eine Unterscheidung, die wir erst Aristoteles zuzuschreiben ge¬ 
wohnt sind. 
In ähnlich ausführlicher Weise wird des Aristoteles Gedächtnis¬ 
lehre behandelt, welche er meines Erachtens mit Recht als grofsen 
Fortschritt über Plato hinaus betrachtet. Dafs er auch damit in direkten
        

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